• Home
  • /Bildung und Kultur
  • /Historisches und Völkerkundemuseum: Die Vadian-Stadt St. Gallen und ihre bewegte Zeit
Historisches und Völkerkundemuseum: Die Vadian-Stadt St. Gallen und ihre bewegte Zeit

Historisches und Völkerkundemuseum: Die Vadian-Stadt St. Gallen und ihre bewegte Zeit

Seit Oktober 2017 steht Vadian, der berühmte Bürger St. Gallens, im Mittelpunkt des geschichtlichen Geschehens. Mit zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und neuen Büchern wird der ehemalige «Stadtvater», geehrt. Eine Doppelausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum (HVM) gewährt Einblicke in jene Zeit vor 500 Jahren, in der vieles im Umbruch war, nicht nur auf religiösem und kirchlichen Gebiet. Ein Film und eine lebensechte Schaufigur ergänzen die Präsentation.

Drei grosse Themen stehen im Zentrum der Sonderausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum. Die Entwicklung von Stadt und Abtei St. Gallens zwischen Spätmittelalter und beginnender Neuzeit, das Leben und Wirken Joachim von Watts (Vadian) und die damalige Kunst und Kultur in der Kirche. Drei Themen, die eng miteinander verknüpft sind.

St. Gallen emanzipiert sich

Um 1500 ist St. Gallen eine selbstbewusste Reichsstadt mit weitreichenden Handelsbeziehungen. Die Reformation bietet ihr Gelegenheit, sich endgültig von der Abtei St. Gallen zu emanzipieren. Joachim von Watt –  genannt Vadian – stammte aus einer angesehenen St. Galler Familie. Nach 16 Jahren an der Universität Wien,  wo er studiert und unterrichtet hat, kehrt er als Arzt nach St. Gallen zurück. Kurz darauf wird er Bürgermeister und Förderer der Reformation. Die Stadt strebt seit langem nach Unabhängigkeit von der Abtei St. Gallen. Ihr Wünsch, in wirtschaftlichen, politischen und kirchlichen Fragen selbstbestimmt zu entscheiden, fällt nun auf fruchtbaren Boden. Sie  schliesst sich als zweite Stadt der Eidgenossenschaft der Reformation an. Vieles wird hinterfragt. Besonders die Heiligenverehrung erhitzt die Gemüter. Die Rolle der Heiligen als Vermittler zwischen Gott und den Menschen wird abgelehnt. Vadian festigt die Reformation in der Stadt St. Gallen. Das Fürstenland aber wird nach 1531 wieder katholisch. Die gemeinsame wirtschaftliche Basis, das Textilgewerbe, fordert jedoch über Glaubensfragen hinweg ein Zusammengehen von Stadt und Land.

Der Stadtvater – noch nie zuvor gesehen

Vadian selber ist in der Ausstellung sogar dreidimensional anwesend, als lebensechte Schaufigur. Sie  zeigt den «Stadtvater», wie man ihn noch nie gesehen  hat. Selbstbewusst, aber auch etwas nachdenklich, sitzt er, etwa 60 Jahre alt, auf einem Stuhl. Verwirklicht wurde die Schaufigur vom bekannten Präparator Marcel Nyffenegger in Flurlingen. Er bezog alle verfügbaren Angaben über Vadians Aussehen in die Gestaltung mit ein, wie Porträts, aber auch Textquellen. Damit vermittelt die Schaufigur Vadians eine relativ präzise Vorstellung, wie er in seinen späteren Jahren ausgesehen hat.

Heiligenverehrung durch Plastiken und Bilder

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich sakralen Bildwerken. Die Kirchenplastiken und Altarbilder aus der Sammlung des HVM wurden sorgfältig restauriert und wissenschaftlich neu aufgearbeitet.  Sie geben einen Einblick in das religiöse Kunstschaffen unserer Region vom Spätmittelalter bis zur Barockzeit und sind Ausdruck der tiefen Frömmigkeit jener Zeit. Die mittelalterliche Kunst betont das Spirituelle und dient in erster Linie der Verherrlichung der christlichen Leidens- und Heilsgeschichte. Mit der Renaissance entsteht ein neues Selbstbewusstsein. Die Kunst interessiert sich wieder für Körperlichkeit. War im Mittelalter die Darstellung der Maria als Schmerzensmutter besonders beliebt, so zeigt sie die Renaissance als strahlende Siegerin.

Die Sammlung vorreformatorischer sakraler Bildwerke des HVM umfasst Beispiele aus dem ganzen Kanton St. Gallen.  Sie ist klein, aber fein und angesichts des schmalen Gesamtbestandes an erhaltenen Objekten, sehr bedeutungsvoll. Wie umfangreich die Ausstellung der mittelalterlichen Kirchen gewesen ist. können wir nur vermuten. Man geht davon aus, dass heute noch ungefähr zwei Prozent der Objekte vorhanden sind, in der Goldschmiedekunst noch weniger. Viele religiöse Werke sind während der Reformation, aber auch in späteren Wirren, zerstört worden. Einige gingen geregelt zu den Stiftern zurück. Im Barock und im Historismus mussten aber viele mittelalterliche Kirchen Neubauten weichen.

Bild HVM: Wer möchte nicht dem Stadtreformator in Lebensgrösse gegenüberstehen?

Das HVM im Januar

Am 24. und 25. Dezember, sowie am 31. Dezember 2017 und  1. Januar 2018 bleibt das HVM geschlossen.

Sonntag, 7. Januar 2018, 11 Uhr, für Kinder und Familien: Finissage Giovanni Züst: Silber, Antiken, Malereien, Führungen mit Isabella Studer-Geisser, Kuratorin, anschliessend Apéro.

Mittwoch, 10. Januar, 14  Uhr: Märchen im Museum, mit Jolanda Schärli

Sonntag, 14. Januar, 11 Uhr, Familienführung: Vadian für Anfänger, mit Jolanda Schärli

Samstag, 20. Januar, 16 Uhr, Kinderclub: Wir richten unser eigenes Mini-Museum ein, mit Jolanda Schärli

Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr, Kultur am Sonntag: Korea  Poesie der Farben, Führung  mit Jeanne Fichtner, Kuratorin

Sonntag, 29. Januar, 11 Uhr, Kunst am Tannenbaum: Führung mit Monika Mähr, Kuratorin, anschliessend Apéro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*