Theater St. Gallen: Geschichten aus dem Wienerwald und der Mann, der die Welt ass

Theater St. Gallen: Geschichten aus dem Wienerwald und der Mann, der die Welt ass

In seiner Verquickung von Skurrilität und Tragik muten die Umstände von Ödön von Horváths Tod an, als stammten sie aus einer seiner Geschichten. Nachdem ein Wahrsager ihm prophezeit hatte, in den ersten Tagen des Juni 1938 stehe ihm “das bedeutendste Ereignis seines Lebens” bevor, benutzte er den Lift nicht mehr und lehnte es am 1. Juni ab, mit dem Auto in sein Pariser Hotel gefahren zu werden, weil das zu gefährlich sei. Er machte sich zu Fuss auf den Weg und wurde während eines Gewitters von einem herabstürzenden Ast erschlagen. 


Ödön von Horváth war ein genauer Beobachter des Lebens, der Hoffnungen und Träume derer, denen nicht alles in den Schoss fällt und die doch ihren Stolz haben. In Romanen und Volksstücken hat er sein Thema umkreist. Sein bekanntestes Stück war am Samstag erstmals im Grossen Haus zu sehen: Geschichten aus dem Wiener Wald in einer Inszenierung der Hausregisseurin Barbara-David Brüesch.

Das 1931 uraufgeführte Stück markiert auch den Anfang des Saison-Endspurts. Es war am Samstag die letzte Premiere im Grossen Haus, bevor es dann hinaus geht in das Klosterviertel – für die 13. St.Galler Festspiele.

Skurril, deftig, traurig, nah am Leben

Gerade als sich Marianne mit dem Fleischermeister Oskar verloben soll, läuft ihr Alfred über den Weg – ein eleganter Schönling in weissem Kittel, aber auch ein Hallodri. Für den lässt Marianne ihren Künftigen sitzen, aber die Hoffnung auf den Ausbruch aus ihrer kleinbürgerlichen Welt zerschlägt sich bald. So sind die Horváth’schen Geschichten gestrickt: skurril, deftig, traurig, überraschend, nah am Leben.

Nah am Leben und unerwartet war auch, was dem Ensemble und dem Leitungsteam eine Woche vor der Premiere passierte. Dimitri Stapfer brach sich das Bein (nicht bei der Bühnenarbeit), mitten in den Endproben übernahm sein Ensemblekollege Kay Kysela.

Hochaktuelle Vater-Sohn-Geschichte

Vater und Sohn, beide in Extremsituationen ihres Lebens. Der eine ist dement, dem anderen wird alles zu viel. In Der Mann der die Welt ass werden zwei Krankheitsbilder thematisiert, deren Auslöser grundverschieden sind, deren Auswirkungen sich aber verblüffend ähneln. “In der Lokremise prallen selbstgefälliges Aussteigertum und rührende Demenz aufeinander: hochaktuell”, schrieb das St.Galler Tagblatt. Das Stück in der Regie von Anja Horst ist dieses Wochenende gleich zweimal zu sehen: Heute Freitag und am Sonntag, jeweils um 20 Uhr in der Lokremise.

Kinsun Chan folgt auf Beate Vollack

In den letzen Tagen wurde der Namen des neuen Leiters der Tanzkompanie bekannt gegeben. Als Nachfolger von Beate Vollack kommt auf die Spielzeit 2019/2020 der Schweiz-Kanadier Kinsun Chan nach St.Gallen. Mit Kinsun Chan hat das Theater St. Gallen einen vielseitigen Künstler und Vollblut-Tänzer und -Choreografen willkommen heissen dürfen.

Bild: Theater St. Gallen

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