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Abschied von Pya – Die Ostschweizer Künstlerin Pia Hug-Bühler hinterlässt ein reiches Werk

Abschied von Pya – Die Ostschweizer Künstlerin Pia Hug-Bühler hinterlässt ein reiches Werk

Mit ihrem grossen künstlerischen Werk hat Pya Hug viele Menschen bezaubert. Nach einem reich erfüllten Leben ist sie nun, kurz vor ihrem 95. Geburtstag, von uns gegangen. Mehr als dreissig Jahre durfte ich Pyas herzliche Gastfreundschaft in ihrem Haus an der St. Gallerstrasse in Goldach erfahren.

In all den Jahren war Pya mir eine herzensgute mütterliche Freundin. Auch mich hat sie mit ihrem vielfältigen, künstlerischen Werk bezaubert. In  ihrem Haus haben wir zauberhafte Feste gefeiert. Wir haben wunderbare Gespräche geführt, in denen von Kunst, Kultur und Privatem die Rede war.

Vor ungefähr  dreissig Jahren schickte mich mein damaliger Chefredaktor zu Pia Hug nach Goldach. Es war um die Weihnachtszeit. „Frau Hug führt in dieser Zeit ein reizendes Puppentheater für Kinder und Erwachsene auf. Schreiben Sie doch bitte einen Artikel und  liefern Sie passende Fotos dazu“, sagte er. Daraufhin besuchte ich Frau Hug. Ich wurde herzlich empfangen und nach dem Gespräch herrlich bündnerisch bekocht. Eine wunderbare,  jahrelange Freundschaft nahm so ihren Anfang. Vor fünf Jahren machte ich wieder mal ein kleines Interview mit Pya . Sie nahm Stellung  zu den Stichwörtern „Ansichten, Ausstellungen und anderes“.

„Die spinnt, die Pia“, sagte man immer in ihrer Familie und im Freundeskreis, als sie schon in jungen Jahren, so um sechs, mit ihren Malereien und sonstigem kunstvoll Gearbeiteten daher kam. Das erzählte die Aussenseiter-Künstlerin Pya Hug immer mal wieder liebenswürdig lächelnd von sich selbst. 2012 feierte sie ihren neunzigsten Geburtstag. “Vielleicht nimmt sie es mit ihrer Arbeit ein wenig gelassener”, dachte ich. Aber fortwährend leuchteten und funkelten ihre Augen, ähnlich ihrem reich ausgeschmückten Werk, das nur so glänzt und blitzt. “Gewiss hat sie in Gedanken schon wieder Glänzendes im Sinn”, freute ich mich.

Geboren ist Pia Hug in Domat/Ems GR. Dort wuchs sie in einer Holzbau-Familie  mit drei  Geschwistern auf. Dort besuchte  sie die Schule und später jene in Chur. Anschliessend absolvierte sie den damals fast „obligatorischen“ Welschland-Aufenthalt in Genf, um Französisch zu lernen. Danach war sie in der Hotellerie tätig, lernte bald den Textilfachkaufmann Max Hug kennen, heiratete ihn und bekam zwei Söhne: Ralph und Erik. Irgendwann zog die Familie nach Goldach, wo Pya Hug lange Zeit mit ihrer fantastischen Welt zu Hause war.

Ansichten

„In meinem Werk zeige ich viele Ansichten, mehrheitlich aus Graubünden und im Besonderen solche, die ich in meiner Kindheit erlebt habe. Es sind Bilder zu jeder Jahreszeit, vom Maiensäss im Sommer, wo wir als Kinder viel erleben konnten. Oder vom Herbst, der bunt belaubten Zeit der Jagd, die in unserer Familie einen wichtigen Platz  einnahm. Ich durfte meinen Vater,  der ein passionierter Jäger war, begleiten. Er zeigte mir, wo sich die Tiere, die Gämsen, die Rehe, die Hirsche aufhalten. Für mich war es die schönste Zeit des Jahres.  Nach der Jagd wurden  die erlegten Tiere ausgebeinelt. Das war dann Frauensache. Das Fleisch kam in grosse Bottiche und wurde in der Beize haltbar gemacht. So hatten wir den ganzen Winter über „Wild“. Aber auch Frühling und Winter regten mich zum  Malen an, und nicht zuletzt das kirchliche Brauchtum, das mich nachhaltig geprägt hat. Diese Ansichten malte ich in Öl oder Acryl auf Leinwand oder auf Holz, wozu ich gerade Lust hatte”, erzählte Pya gern aus ihrem reichen Leben.

Ausstellungen

„Ich habe beständig  Ausstellungen. Derzeit bin ich mit meinen Arbeiten in der Kartause Ittingen zu Gast, mit zahlreichen Exponaten, und zwar mit Bildern, Kästli-Papiertheatern, textilen Wandbildern, Objekten aus Wachs. Papiertheater! Früher habe ich solche oft angefertigt. Eine Zeit lang war es diesbezüglich ein wenig ruhig geworden. Doch in letzter Zeit bin ich wieder darauf zurückgekommen. Als Motive bevorzuge ich Theaterszenen und bäuerliche Sujets. Einfach bunt und fantasievoll müssen sie sein”, führte sie weiter aus.  Auch bei den Wandbildern habe sie sich voller Fantasie an die Arbeit gemacht. Eine grosse Auswahl war in der Geriatrischen Klinik St. Gallen zu sehen. Eigentlich wollte sie keine Ausstellung mehr machen. “Och, ich glaube, ich lasse mich doch wieder breitschlagen“, schloss sie lachend.

Anderes

Etwas ganz anderes und  gleichzeitig Neues war der Jahreszeitenkalender, mit hübschen Acrylbildern, Wachsfiguren, zum Beispiel Kinder- und Engelmotiven. Apropos Engel. In der Herbst-und Winterzeit waren selbstverständlich bei Pya die Engel angesagt. Und noch etwas anderes waren die Bilderbücher mit Geschichten aus Pyas Leben. “Sie beginnen ab meinen ersten Schuljahren, damals als ich anfing  zu malen. Ich bin von jeher eine richtige Ländliche gewesen und so berichte ich auch wie wir Kinder fleissig mithelfen mussten. Wenn unsere Arbeiter vom Holzbaugeschäft auswärts zu tun hatten, war ich als junges „Maidli“ die Küchenmeisterin, ich musste nämlich für die ganze Mannschaft kochen”, erklärte Pya.

Pya war Pia Hugs Künstlername (Bild eb)

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