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Am 11. Oktober wird Lilo Pulver 90 Jahre alt

Am 11. Oktober wird Lilo Pulver 90 Jahre alt

Kurz vor ihrem runden Geburtstag im Oktober erschien ein neues über die Bernerin. Es beinhaltet viele bis jetzt unveröffentlichte Dokumente aus dem Privatarchiv- Lilo Pulver fasziniert auch im hohen Alter noch und ist das einfache Modi geblieben von einst.

Mit ihrem Lachen verzauberte sie das Publikum. Doch sie konnte sehr viel mehr. Schon anfangs zwanzig glänzte sie am Schauspielhaus Zürich in Theaterstücken von Weltrang, unter anderen in «Das Käthchen von Heilbronn» oder «Faust II». Liselotte Pulver stellt früh schon klar, wie talentiert sie ist und was in ihr steckt. Das blieb auch dem Ausland nicht verborgen.

Vom Theater zum Film

Nördlich der Grenze avancierte die Schweizerin zum Star – als Komödiantin, denn nach dem Krieg war das Bedürfnis nach Ablenkung in Deutschland gross. Entsprechend zahlreich strömten die Menschen ins Kino, um wenigstens kurzzeitig den Alltag zu umgehen.

Doch damit begnügte sich die talentierte Schauspielerin nicht. Lilo Pulver wollte auch in ernsten Filmrollen ihr Talent beweisen, was sie auf der Bühne vorher tat. Das gelang ihr dann besonders in der Heimat, wo sie das Vreneli in den Jeremias-Gotthelf-Verfilmungen «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter» spielte.

Öffnung des Privatarchivs

Die Karriere führte sie in den 1960er-Jahren weiter nach Frankreich und sogar nach Hollywood. Überall fiel sie sich durch ihre akribische Arbeitsweise auf, wovon ihr ganzes Werk noch heute zeugt. Sie hat es dem deutschen Filmmuseum in Frankfurt abgetreten, unter anderem auch genaue Rollenverlaufe, die sie eigenhändig schrieb.

Das Buch über sie schöpft aus diesem einzigartigen Fundus und der Biografie voller Hochs und Tiefs. Für «Was vergeht, ist nicht verloren» hat die Schauspielerin ihr Privatarchiv geöffnet. Denn noch immer ist Lilo Pulver unvergessen und populär.

Hochs und Tiefs erfahren

Ihr Talent und ihre Leistungen wurden vielfach ausgezeichnet, und sie wurde für ihr Lebenswerk oftmals geehrt, zuletzt 2018 mit einem Bambi – ihrem siebten. Den habe sie bei sich in der Seniorenresidenz, wo sie seit Jahren wohnt, und wo man sie «nicht als etwas Besonderes» betrachte. Alle übrigen Auszeichnungen seien zu Hause, in ihrem Haus am Genfersee.

Auch wenn Liselotte Pulver ein Star war – sie hob nie ab und blieb das «Bärner Modi», das sie früher war. Eine Zeit lang habe sie noch die eine oder andere Videokassette mit Filmaufnahmen hervorgeholt, wenn Besuch kam, erzählt sie. Aber das mache sie nicht mehr. Wie sie ihren heutigen Geburtstag feiert, wusste sie noch nicht genau. Vielleicht fährt sie zu ihrem Sohn, ihrem erwachsenen Enkel, ihrer Schwester. Und vielleicht feiert sie in kleinem Kreise in ihrer Seniorenresidenz in Bern.

Bild: Liselotte Pulver in einem ihrer berühmtesten Rollen, als Vreneli in Ueli der Knecht

Das Buch zum 90. Geburtstag

Anhand einer Fülle von Dokumenten aus ihrem umfangreichen Privatarchiv zeichnet Liselotte Pulver ein faszinierendes Bild ihres Lebens. In «Was vergeht, ist nicht verloren», erschienen zu ihrem 90. Geburtstag, erzählt sie aus ihrem Leben.

Zu entdecken sind Erinnerungen, Anekdoten, Fotos, Briefe, aber auch persönliche Notizen und – erstmals veröffentlicht – Aufzeichnungen über ihre Methode, sich Rollen zu erarbeiten. Liselotte Pulver, Sammlerin durch und durch, hat alles aufbewahrt und akribisch abgelegt. Damit hat sie die Grundlage gelegt zur Titel gebenden Erkenntnis, «was vergeht, ist nicht verloren».

Das reich illustrierte Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt. Liselotte Pulver gewährt sehr private Einblicke in ihr Familienleben, ihren Werdegang, ihre Begegnungen mit vielen bekannten Persönlichkeiten aus Theater, Film und auch Politik. Dabei spart sie – durchaus selbstironisch – auch Pleiten und Enttäuschungen nicht aus. Zusammen mit ihren Co-Autoren, den Journalisten Olaf Köhne und Peter Käfferlein, hat Liselotte Pulver ein zutiefst menschliches Zeugnis eines reichen Lebens mit vielen Höhenflügen, aber auch manchen Tiefschlägen entstehen lassen.

Es mündet am Schluss des Buches in ihre Antwort auf die Frage, wie sie in Erinnerung behalten werden möchte: «Vielleicht als jemand, der ein gutes Herz hatte». (sda)

Liselotte Pulver: «Was vergeht, ist nicht verloren». Hoffmann und Campe, 232 Seiten.

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