Die Post nimmt sexistische Postkarten aus dem Angebot

Die Post nimmt sexistische Postkarten aus dem Angebot

In Postfilialen gibt es Postkarten zu kaufen, die alte Rollenbilder zementieren. Die Post will davon nichts gemerkt haben, nimmt sie aber aus dem Sortiment. 

 

Die Hauptbeschäftigungen einer ganz normalen Frau sind schnell aufgezählt: Telefonieren, Shoppen, Lästern. So steht es jedenfalls auf einer Postkarte, die in verschiedenen Postfilialen in der Schweiz zu kaufen ist. Die Postkarten gehören zu der Postkartenserie Tricolore, produziert vom Gutsch Verlag in Berlin. Zu der Serie gehören noch weitere Karten, die auf ähnliche Art auf Geschlechterklischees anspielen.

Die Karten kommen bei Fabienne Amlinger vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern (IZFG) nicht gut an. «Es ist einfach ärgerlich, dass solche Karten verkauft werden. Die Klischees, die damit bedient werden, kommen aus der sexistischen Mottenkiste.» Dass die Karten in Postfilialen aufliegen, stört Amlinger besonders. «Postfilialen sind ein öffentlicher Ort, den viele Menschen aufsuchen. Wenn dort solche Stereotypen reproduziert werden, dann ist das schlimm».

Post hat nichts gemerkt

Die Post distanziert sich auf Anfrage von den Botschaften, die mit den Postkarten vermittelt werden. Die Karten seien keine Produkte der Post, sondern eines Drittanbieters. «Uns war nicht bewusst, dass in den Filialen solche Karten auflagen», sagt ein Sprecher der Post. «Wir machen Lieferanten von Drittprodukten, welche in Postfilialen verkauft werden, klare Auflagen bezüglich politischen, diskriminierenden, religiösen oder sexistischen Inhalten oder Motiven.» Bisher seien bei der Post wegen der Karten zwar keine Beschwerden eingegangen, trotzdem habe man dem Lieferanten nach der Anfrage dieser Zeitung den Auftrag gegeben, die Karten der Serie aus den Postfilialen zu entfernen. «In diesem Fall wurden stereotype Klischees über Frauen wie auch über Männer bedient. Das kann individuell als herabwürdigend oder sexistisch empfunden werden. Wenn Gefühle von Kundinnen und Kunden verletzt wurden, entschuldigen wir uns dafür.»

Lieferant der Karten ist die Firma Photoglob aus dem solothurnischen Hägendorf. Die Kartenserie sei humorvoll gemeint, sagt ein Sprecher, und spiele auf typische Männer- und Frauenklischees an. Bisher habe sich niemand darüber beschwert. Die Serie Tricolore, zu der die Karten gehören, sei ursprünglich sehr beliebt gewesen. In den letzten Monaten habe sie sich aber nicht mehr gut verkauft. Nun werde sie früher als geplant aus den Postfilialen entfernt, bis Ende November sollen die Karten aus den Postfilialen verschwinden.

Wenig Bewusstsein für Sexismus

«Uns tut es leid, wenn wir mit den Karten negative Emotionen ausgelöst haben. Eine Postkarte sollte eigentlich Freude machen», entschuldigt sich der Sprecher. Einige Papeterien und Cardshops würden aber weiterhin mit der Serie beliefert, weil sie die Karten explizit im Sortiment haben wollen. Dass die Karten lustig gemeint seien, ist für Fabienne Amlinger vom IZFG eine Ausrede. «An den Karten ist gar nichts lustig, sondern Frauen werden lächerlich gemacht», sagt Amlinger. «Auch bei einem Witz muss man sich überlegen, was man damit transportieren will. Ein Witz ist einprägsam und verteilt sich in der Gesellschaft. Mit den Karten werden sexistische Stereotypen befeuert.»

Dass weder die Post noch die Photoglob bemerkt haben wollen, welche Karten sie in ihren Filialen beziehungsweise in ihrem Sortiment verkaufen, ist für Amlinger bezeichnend. «Dass solche Karten mit offenbar unbemerkten sexistischen Stereotypen angeboten werden, zeigt deutlich, wie wenig Bewusstsein gegenüber Sexismus da ist.»

Bild und Text Watson: sexistische Karten

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