Ein russischer Opern-Doppelabend führt in die Märchenwelt

Ein russischer Opern-Doppelabend führt in die Märchenwelt

Auf musikalischem Wege in die russische Märchenwelt eintauchen, dazu bieten die beiden Opern-Eintakter «Der unsterbliche Kaschtschei» von Nikolai Rimski-Korsakow und «Die Nachtigall» von Igor Strawinsky am Theater St. Gallen die beste Gelegenheit. Am 2. April steht die letzte Vorstellung auf dem Programm. Ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.

Der Ursprung der Märchenoper liegt in der Klassik. Dieses Genre nahm sich die internationalen Märchen und Kunstmärchen als Vorlage. Vermehrt entstanden die Märchenopern Ende des 19. Jahrhunderts. «Der unsterbliche Kaschtschei» führt uns in die Welt der russischen Volksmärchen.Das Libretto hat der Komponist, der ein grosser Liebhaber von russischen Mythen und Märchen war, selbst verfasst. Die Helden der Geschichte sind Prinz Ivan (Shea Owens) und Prinzessin Tausendschön (Tatjana Schneider). Der unsterbliche Kaschtschei (Ricardo Botta) erscheint als Bösewicht, den es zu bezwingen gilt. Es ist die Aufgabe von Prinz Ivan, der seine Prinzessin aus der Gewalt des bösen Kaschtschei zu befreien versucht. Es gelingt mit unendlichen Mühen, ist doch der Bösewicht auf seine Weise unsterblich. Seine Seele wohnt nicht in seinem Körper, sondern in den Tränen seiner Tochter, der männerverführenden und -mordenden Kaschtscheewna (Iena Prudnikovaite). Held Sturmwind (Martin Summer) schwebt aus dem Weltall sozusagen als Vermittler.

Vorhang auf: Es eröffnet sich eine faszinierende Bühne mit leuchtenden Riesenwunderblumen. Die Besucher fühlen sich in die unendliche Weite des Alls versetzt. Die Fantaie lässt dazu auch viel Freiraum (Bühne Martina Segna und Frank Lichtenberg, Kostüme). Die hervorragenden Video-Produktionen (Johanna Kulz) tragen dazu bei, sowie die Supertechnik, die den Sturmwind über dem Geschehen schweben lässt. Abrundend dazu hat es gute Lichteffekte (Reinhard Traub). Die Protagonisten im «unsterblichen Kaschtschei» harmonieren mit ihren schönen, wohlklingenden Stimmen, das Prinzenpaar Shea Owens und Tatjana Schneider und besonders auch Ricardo Botta als Kaschtschei. Martin Summer überzeugt als Held Sturmwind und Ieva Prudnikovaite begeistert als Kaschtscheewna mit ihrem warmen und vollen Mezzosopran, vom Fortissimo bis zum Pianissimo.

Igor Strawinskys «Die Nachtigall», an deren Libretto von Stepan Mitussow auch der Komponist gearbeitet hat, bezieht sich auf das dänische Kunstmärchen «Des Kaisers Nachtigall» von Hans Christian Andersen. Zur Geschichte: Eine Nachtigall singt so bezaubernd schön und wird an den Hof des Kaisers von China (David Maze) eingeladen, um für ihn zu singen. Dieser ist entzückt, aber er lässt sich bald auch von einer künstlichen Nachtigall beeindrucken, die ihm der Kaiser von Japan gesandt hat. Traurig fliegt die wahre Nachtigall davon. Als der Kaiser im Sterben liegt, kehrt sie zu ihm zurück. Hingerissen von ihrem Gesang lässt der Tod den Kaiser am Leben.

Vom Bühnenbild und von der Inszenierung werden wir ins heutige China versetzt. In riesige Plastiksäcke verpackte Müllhaufen türmen sich auf der Bühne. Alle Darsteller sind uniformiert und sprungbereit, mit ihren Handys Fotos zu knipsen, doch nicht so der Fischer (Nik Kevin Koch), der sein inniges Lied singt, und das Kind und seine Mutter, die spätere Hofköchin. Der Hofmarschall fegt auf einem zweispurigen E-Rollbrett über die Bühne und dirigiert das Volk an seine Plätze. Von einer riesigen Videowand spricht der Kaiser zu seinem Volk. Man bekommt den Eindruck «Big Brother is watching you». Die Nachtigall, interpretiert von Sheida Damghani, begeistert mit ihrem wundervollen Koloratursopran. David Maze überzeugt absolut in der Rolle des Kaisers von China und begeistert sowohl gesanglich, als auch schauspielerisch. Dirk Schmeding inszentiert einen solchen Doppelabend zum ersten Mal. Er bringt ihn jedoch sehr gekonnt auf die Bühne, da gibt es nichts zu bemängeln. Modestas Pitrenas liebt Märchen. Da darf man alle positiven und negativen Eigenschaften auch in die Musik einbringen. Das tut der Dirigent gefühlvoll, poetisch, mitunter temperamentvoll, wild. Was sich dann klarerweise auf das Orchester überträgt. Dem Publikum bietet sich ein hochwertiger musikalischer Genuss.

Bild: Theater St. Gallen

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