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«Eine Kooperation mit Pioniercharakter» – Sozialarbeit und Psychiatrie arbeiten im Rheintal seit zehn Jahren erfolgreich zusammen.

«Eine Kooperation mit Pioniercharakter» – Sozialarbeit und Psychiatrie arbeiten im Rheintal seit zehn Jahren erfolgreich zusammen.

Im Jahr 2009 begann die Kooperation des Psychiatrie-Zentrums Rheintal mit der sozialen Institution «förderraum» – aus heutiger Sicht eine Pionierleistung, denn beide Seiten mussten damals über den eigenen Schatten springen und die Arbeitsweise der Partner-Organisation verstehen lernen.

Das Netz sozialer und medizinischer Institutionen und Angebote ist in der Schweiz dicht geknüpft. Im Psychiatrie-Zentrum Rheintal bemerkte man vor mehr als zehn Jahren allerdings einen eklatanten Mangel. Man fragte sich: Wie und wo können unsere Patientinnen und Patienten trotz ihrer psychischen Beeinträchtigung und begrenzten Belastbarkeit arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren? Wo finden sie Wohnmöglichkeiten mit angemessener Betreuung?

Entsprechende Angebote existierten nicht. Selber welche schaffen konnte das Psychiatrie-Zentrum nicht, da ihm in diesem Feld die Fachkompetenz fehlt. «Wir wussten aber, dass unsere Patientinnen und Patienten neben der medizinischen, der therapeutisch-psychologischen Betreuung auch noch andere Bedürfnisse haben und dass es nötig ist, mögliche Ursachen ihrer Erkrankung in ihrem Alltag anzugehen.» Das sagt Karlheinz Pracher, schon damals Leiter des Psychiatrie-Zentrums Rheintal. Auf der Suche nach Partnern, die beispielsweise eine Tagesstruktur oder Arbeitsmöglichkeiten anbieten konnten, erhielt er zunächst nur Absagen. Möglicherweise existierten bei vielen Institutionen Berührungsängste gegenüber der Psychiatrie.

Erst beim «förderraum», einer sozialen Institution mit Sitz in St.Gallen, stiess er auf offene Ohren. Die erste gemeinsame Sitzung erlebte Nebojsa Spasojevic, leitender Arzt am Psychiatrie-Zentrum, dann aber als «Zusammenstoss der Kulturen». Man habe zwar die gleiche deutsche Sprache gesprochen, sich aber dennoch nicht verstanden. Zu unterschiedlich waren die spezifischen Fachsprachen und die fachliche Grundhaltung, die sich hinter dieser verbirgt. Ein Beispiel: Während in der Psychiatrie Patientinnen und Patienten behandelt werden, betreut oder begleitet man in der Sozialarbeit Klientinnen und Klienten.

Gleichwohl entschied man sich, ein erstes konkretes Projekt zum betreuten Wohnen in Angriff zu nehmen. Noch wusste man nicht, ob sich überhaupt genügend Patientinnen und Patienten auf die verbindlichen Rahmenbedingungen des «förderraums» einlassen würden. Doch es zeigte sich schnell, dass Interesse an der Wohngruppe bestand, später auch am Besuch der Tagesstätte und an wirtschaftsnaher Arbeit bei «Haus und Garten» oder im «Schloss-Café».

Zu Beginn tauschten sich die Mitarbeitenden des förderraums und des Psychiatrie-Zentrums in stark strukturierten Sitzungen aus. Bald stellte man jedoch fest, dass informelle alltägliche Kontakte ebenso wichtig sind. Oder mit den Worten von Monika Fillinger: «Heute geht man einfach aufeinander zu, wenn es nötig ist». Die Mitarbeitenden des Psychiatriezentrums gewannen durch den engen Kontakt mit dem förderraum ein umfassenderes Bild von ihren Patientinnen und Patienten. Sie gewöhnten sich daran, abrufbereit zu sein und im Notfall umgehend einzugreifen. Die Erfahrung zeigt, dass sich dadurch in manchen Fällen ein Klinikaufenthalt umgehen lässt. «Entscheidend ist dabei das Zusammenwirken aller sich ergänzenden Angebote», so Alma Mähr, Geschäftsführerin des förderraums.

Psychiatrie-Zentrum Rheintal und «förderraum» sehen ihre seit zehn Jahren bestehende Kooperation rückblickend als eine Pionierleistung. Die früher scharf gezogenen Trennlinien zwischen medizinischen und sozialen Fachbereichen wirken in ihren Augen aus heutiger Sicht künstlich und hinderlich. Sie haben erfahren, dass sie ihre Ziele – das Wohl der Patienten oder Klientinnen – in der Kooperation besser erreichen. Die spezifischen fachlichen Grundsätze hat man dabei nicht aufgegeben, profitiert aber im eigenen Fachbereich von der Sichtweise der andern. «Im Nachhinein sehen wir Nähe und Sichtbarkeit sozusagen als methodisches Konzept», sagt Karlheinz Pracher.

förderraum

Der förderraum ist ein Netzwerk von innovativen Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnmöglichkeiten für Menschen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf im Raum St.Gallen und im Rheintal. Er bietet bedarfsbezogene und fachliche Unterstützung, damit diese Menschen ihr Leben so aktiv und selbstbestimmt wie möglich gestalten können.

foerderraum

schloss-cafe

hoteldom

Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.
Ernst Ferstl

10 Jahre Kooperation förderraum – Psychiatrie-Zentrum Rheintal

Der förderraum und das Psychiatrie-Zentrum Rheintal arbeiten seit 10 Jahren erfolgreich zusammen.

HERZLICHE EINLADUNG ZUM JUBILÄUMSAPÉRO
am Donnerstag, 15. August 2019
ab 17 Uhr
im Schloss-Café, Heerbrugg

Es freuen sich auf zahlreiches Erscheinen und spannende Gespräche!
Alma Mähr, förderraum
Karlheinz Pracher Leiter Psychiatrie-Zentrum Rheintal & Linthgebiet

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