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Josefina mit den Haaren aus Stahl – ein Artistenleben ist kein Zuckerschlecken

Josefina mit den Haaren aus Stahl – ein Artistenleben ist kein Zuckerschlecken

Ein Artistenleben ist kein Amüsement, im Gegenteil. Es kann knallhart sein, wie die Lebensgeschichte der rumänischen Zirkusartistin Josefina Tanasa bestätigt. Richard Lehner zeichnet das dramatische, aber auch glamouröse Leben Josefinas nach.

Josefina machte vorerst in Rumänien Zirkuskarriere, zusammen mit ihrem Partner Alexandru Veteranyi, dem rumänischen Charlie Chaplin, der ihr Ehemann wurde. Er brachte eine Tochter mit in die Ehe. Die gemeinsame Tochter Monica wurde 1962 geboren. Monica, die sich später  Aglaja Veterani nannte, wurde  unter anderem durch ihren Roman «Warum das Kind in der Polenta kocht» bekannt.

Verfolgt von der Diktatur Rumäniens, gelang der Familie 1966 mit Hilfe von Rolf Knie, sen., die Flucht in den Westen. Hier wurde Josefina eine international gefeierte Artistin, eine Haarkünstlerin. Dazu sagt sie, dass das artistische Arbeiten in der Luft eine permanente Gratwanderung zwischen höchstem Risiko und Sicherheit sei: «Die Angst, dass etwas passieren könnte, ist immer da, aber während der Darbietung musste ich dies so gut wie möglich ausblenden. In der Luft darfst du an nichts anderes denken, als an den nächsten Programmschritt, du hörst das Publikum raunen und applaudieren. Davon darfst du dich nicht ablenken lassen, du musst entspannt wirken, als wäre das, was du machst, das Einfachste auf der Welt. Du musst lächeln, auch wenn der Nacken vom ‘Josefina Haarzug’ , dem sogenannten Zopfhang, zu schmerzen beginnt. Und nach dem Zurückschweben auf den Sägemehlboden verneigst du dich, nimmst den Schlussapplaus dankbar entgegen, stürmst durch den Vorhang ins Freie und steckst deinen Kopf in einen vorbereiteten Eimer, gefüllt mit Eiswasser.»

Zahlreiche Einschnitte markieren Josefinas Lebensgeschichte, überschattet jedoch vom Tod ihrer Tochter Aglaja 2002. Heute lebt Josefina in einem Altersheim in St. Gallen. Ihre Biografie liest sich wie ein Abenteuerroman, spannend, glamourös, dramatisch, tragisch. Gleichzeitig ist sie aber  auch eine aufschlussreiche Begleitung zur Geschichte des Jubiläums «100 Jahre Schweizer Nationalzirkus Knie». ‘Josefina Haare aus Stahl’ von Richard Lehner erschienen bei FormatOst im Appenzeller Verlag Schwellbrunn,  ISBN 978-3-03895-006-6.

 Drei Fragen an den Autor Richard Lehner:

Was waren beim Schreiben dieses Buches die grössten Herausforderungen?

Das Weglassen war die grösste Herausforderung. Josefina Tanasa besitzt ein umfangreiches Archiv mit Zeitungsausschnitten, Fotos, Zirkusprogrammen und -plakaten. Aus dieser Fülle von Material war es für mich wichtig, jene Fotos und Textdokumente auszuwählen, die die Geschichte der Artistin und ihrer Familie am besten widerspiegeln. Aus dem weggelassenen Material liessen sich noch weitere Bücher schreiben, oder Ausstellungen zusammenstellen.

Was können Sie jetzt von Josefina lernen?

Josefina hatte während ihres Artistenlebens und danach einen unglaublichen Lebenswillen, der ihr auch half, Schicksalsschläge wie den Selbsttod ihrer Tochter Aglaja Veteranyi zu verarbeiten und das beste aus ihrem Leben zu machen. Josefina ist eine Überlebenskünstlerin. Das zeigte sich auch nach ihrer Artistinnenkarriere. Sie arbeitete an einem Kiosk, half in einer Lebensmittelfabrik aus und gründete ein eigenes Schneidereiatelier.

Welche Rolle im Zirkus würde ihnen am besten entsprechen? in welcher Rolle würden Sie sich am wohlsten fühlen?

Da ich weiss, dass ich als Artist nicht taugen würde, wäre ich wohl im Zirkus als Pressechef am sinnvollsten eingesetzt, wie dies Chris Krenger während vieler Jahre beim Circus Knie war. Chris Krenger war mir bei der Realisation des Josefina-Buches eine wichtige Hilfe. Er hat mir einen anderen Blick auf das Zirkusleben eröffnet.

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