Kraftfeld Antike

Kraftfeld Antike

In den Opernhäusern dieser Welt werden immer die selben Werke gespielt. Werke, die einmal ausgegraben wurden und in den Aufführungen Erfolg versprachen. Dabei sind viele Komponisten in Vergessenheit geraten. Zu diesen gehört Marc-Antoine Charpentier (um 1643-1704), der für den französischen Hof zahlreiche Barock-Opern kreiert hat. Dirigent William Christie erweckt das älteste Werk, das je im Opernhaus Zürich aufgeführt wurde, aus einem beinahe 300 –jährigen Dornröschenschlaf und bietet damit seinem Publikum ganz neue Perspektiven, die den kleinen Ausflug in jedem Fall wert sind.

Sprache im Zentrum
Bei der Umsetzung setzt Christie in der Zusammenarbeit mit Regisseur Andreas Homoki in erster Linie auf die Sprache. „Wenn diese stimmt, ergibt sich die Musik beinahe von selbst”, erzählt er an Matinée. Die Sprache stehe der französischen Oper, anders als in der italienischen, im Zentrum. Tatsächlich sind die Dialoge von so ausgereifter Poesie, so dass es sich bei näherer Betrachtung eher um ein Schauspiel mit musikalischer Untermalung handelt.

Fatales Dreieck
Aus diesem Grund wurden für die Verkörperung der Hauptrollen nur Sängerinnen und Sänger mit akzentfreiem Französisch ausgesucht. Allen voran die Mezzosopranistin Stéphanie D’Oustrac als Médéé, die sich auf den französischen Barock spezialisiert hat und mittlerweile zu einer der wichtigsten Interpretinnen dieses Fachs geworden ist. Das fatale Dreieck vervollständigen Sopran Mélissa Petit als Créuse und der Tenor Reinoud Van Mechelen, der in der Rolle als Jason in der besonderen Stimmlage Haute Contre singt.

Mythologie
Das Libretto von Thomas Corneille erzählt in fünf Akten die Geschichte der Frauengestalt Medea aus der griechischen Mythologie und die Beweggründe ihrer zuletzt zerstörerischen Taten. Nach der Manier des Zeitalters Luis XIV ist die Oper mit kleinen Divertissements bestickt, die der 1693 uraufgeführten Tragödie einiges an Schwere nehmen sollen. Diese werden mit dem behutsam intonierenden Chor umgesetzt, eingekleidet mit den Kostümen von Mechthild Seipel, eine wunderbare und übernatürliche Zauberwelt erschaffen, wie sie in der damaligen Mode kennzeichnend war. Bühnenbildner Hartmut Meyer schafft dazu mit horizontal- und vertikal schiebenden Wänden mehrere Plattformen, die die Akteure in einem Moment erdrücken, im anderen zu entreissen scheinen.

Aufführungen noch bis zum 18. Februar 2017 im Opernhaus Zürich
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