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«Mittelalter am Bodensee»-Wirtschaftsraum zwischen Alpen und Bodensee

«Mittelalter am Bodensee»-Wirtschaftsraum zwischen Alpen und Bodensee

Die mittelalterliche Welt am Bodensee war die Drehscheibe eines eng verflochtenen Wirtschafts- und Lebensraums, dessen Textilien bis ins östliche Mittelmeer, auf die Krim und nach Nordafrika exportiert wurden. Rund 150 Exponate sprechen von Landwirtschaft, Handwerk, Handel, von Alltag und Schifffahrt.

 

«Mittelalter am Bodensee» ist ein gemeinsames Projekt von Museen und archäologischen Diensten aus vier Ländern der Bodenseeregion. Der Start der Wanderausstellung erfolgt erstmals in St. Gallen, wo als Highlight ein mittelalterlicher Escape-Room hinzukommt. Mit ihm wird der Museumsbesuch zum spielerischen Erlebnis für Jung und Alt. Die Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum dauert bis 23. Januar 2022.

«Mittelalter am Bodensee» knüpft an die Reihe archäologischer Ausstellungen zu Pfahlbauern, Kelten, Römern und Alamannen an. Jetzt steht der Wirtschaftsraum des Mittelalters zwischen Alpen und Rheinfall im Mittelpunkt. Beim Stichwort «mittelalterliche Ostschweiz» denken viele Menschen zuerst mal an Klöster und Burgen, an Dörfer und eine bescheidene landwirtschaftliche Existenzgrundlage.

Die Ausstellung zeigt, wie sich die weiträumig gefasste Bodenseeregion ab dem 12. Jahrhundert rasch zu einem hoch komplexen und florierenden Netzwerk von gegenseitigen Abhängigkeiten entwickelte. Die begehrten Leinentextilien fanden reissenden Absatz, die Städte am See profitierten ebenso wie die zuliefernden Landregionen. Der Bodensee verband zu jener Zeit die Menschen miteinander zu einer eng verflochtenen Wirtschafts- und Lebenswelt. Städte bildeten Bündnisse, man einigte sich teilweise auf ein einheitliches Währungssystem und man betrieb Landwirtschaft, Handwerk, Bergbau und Handel mit weit entfernten Gebieten.

Die Materialien dieser Agrargesellschaft waren sehr naturnah. Tierische Materialien wie Leder und Knochen waren viel wichtiger als heute und Holz war die Zentralressource als Werkstoff, Baumaterial und Energieträger. Die mittelalterliche Welt am Bodensee bezog einen Grossteil ihrer Nahrungsmittel aus der Region. Das Rheintal konzentrierte sich auf den Weinbau, das St. Galler Fürstenland und der Thurgau setzten auf Getreidebau. In der Textilproduktion entstand eine Arbeitsteilung, die vorindustrielle Züge hatte, vor allem mit dem Veredeln der Textilien.

Zahlreiche archäologische Fundstücke aus der ganzen Region von den Bündner Alpentälern bis nach Süddeutschland und zum Rheinfall, warten auf eine staunende Besucherschaft. Die Exponate stammen aus der Zeit zwischen etwa 1000 bis 1500. Die Auswahl reicht vom Holzfass bis zum Münzschatz, vom Kinderschuh bis zum Altglas-Depot. Ritterrüstungen, Hellebarden oder Altarbilder kommen dagegen nicht vor. Es ist ein Mittelalter, ausgegraben aus dem Erdboden, geborgen aus dem Seegrund. Für die Ausstellung in St. Gallen kommen Leihgaben aus den Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde dazu. Es sind spektakuläre Dokumente, die zusätzliche Fenster in diesen Wirtschafts- und Lebensraum öffnen, zum Beispiel mit einem Salzdiebstahl 1442 und einem Betrugsfall mit gefälschtem Qualitätssiegel für St. Galler Leinwand 1505. Die Exportschlager jener Zeit waren Leinentextilien. Bis um die Mitte des 15 Jahrhunderts war Konstanz das regionale Zentrum für Leinenstoffe, danach lief St. Gallen Konstanz den Rang ab.

Ergänzt werden die ausgestellten Objekte mit drei Installationen: Ein Wirtshaustisch und ein Markttisch, bedeckt mit allerlei Requisiten. Sie vermitteln einen Eindruck vom damaligem Alltagsleben. Eine Ausstellung für Gross und Klein, für Mittelalterfreunde und historisch Interessierte – es hat für jede/n etwas!

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