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Netzwerken, sich sichtbar machen und fordern – FrauenNetzwerkTagung 2015

Netzwerken, sich sichtbar machen und fordern – FrauenNetzwerkTagung 2015

Jubiläen bieten immer Möglichkeiten vorwärts zu streben, sich an Erfolgen zu freuen und aus Misserfolgen zu lernen. Diese Gelegenheit nutzten auch die St.GallerFrauenNetzwerke in ihrem zwanzigsten Geburtsjahr mit dem klaren Fazit, dass Frauen sichtbar werden müssen. Und dies nicht nur dort, wo ihnen ein Platz zugestanden wird, sondern auch explizit an Stellen und in Funktionen, wo die Macht und das Geld regieren.

Frauen sind in der Bildung grösstenteils gleichberechtigt. Sie dürfen lernen und studieren, was und wo sie wollen und sind als Arbeitskräfte gern gesehen und geschätzt. Problematisch wird es erst, wenn Frauen Mütter werden und Familie und Beruf unter denselben Hut bringen wollen oder auch schlicht müssen. Und weil junge Frauen solche Erfahrungen noch nicht gemacht haben, nehmen sie selbstverständlich an, dass alles gut läuft, so wie es ist. Okay, die Lohnfrage ist trotz rechtlichem Auftrag noch immer nicht gelöst; das ist auch jungen Frauen bekannt,  doch auch dies nehmen sie ganz einfach hin, noch nichts davon ahnend, oder sich natürlicherweise noch gar nicht damit beschäftigend, was eine Lohnungleichheit von 20 % für sie im Alter bedeutet. Wie sollten sie sich auch mit Problemen beschäftigen, die jenseits ihrer zeitlichen Vorstellung liegen

Die Stimmen im weiblichen Kopf
Frauen sind wunderbare Netzwerkerinnen und pflegen ihre Kontakte in der Familie, im Freundeskreis und im Verein auch rege. Wenn es aber ums öffentliche Parkett geht, scheuen sie sich davor und stellen ihr Licht gern unter den Scheffel. In den Köpfen der Frauen scheinen sich nämlich unbewusst die Stimmen zu melden, die ihnen schon als kleines Mädchen einredeten: «Es hat etwas Unanständiges und es macht sich nicht gut, wenn du nicht immer nur gibst, sondern auch etwas nehmen willst». Männer lernen von den Frauen, wie man sich vernetzt, mit dem Unterschied, dass SIE immer ganz genau wissen, warum und wofür sie etwas tun.

Fordern, was zusteht – und noch etwas mehr
«Die Gleichstellung muss vorangetrieben werden», sagt Erika Bigler, Netzwerkerin der ersten Stunden, die mit einem Team aus verschiedenen Frauenorganisationen die Ostschweizer Frauennetzwerktagung an der Fachhochschule St. Gallen organisierte – die zum 20sten Geburtstag der St.GallerFrauenNetzwerke, die zum Feiern der Erfolge, als Standortbestimmung und besonders auch als «Think Tank» für weitere Aktivitäten gedacht war. Der Gleichstellungsprozess, in den wir alle eingebunden sind, ob wir uns dessen bewusst sind oder auch nicht, muss endlich Blüten treiben. Und um dies zu erreichen, dürfen Frauen nicht weiterhin nur nett und dienstbereit sein. Nein, wir müssen fordern, zuerst das, was uns auch zusteht – und dann noch etwas mehr.

Frauen haben Potenzial
Zusammen muss dies gelingen. Wenn etwas auch an dieser Frauennetzwerktagung auffiel und in jedem Fall in Erinnerung bleiben wird, dann war es das grosse Potenzial, das sich bündelt, wenn Frauen sich präsentieren und zusammentun. Und hier nahmen wieder hunderte Frauen Raum ein. Frauen sind das «starke Geschlecht». In feurigen Ansprachen zeigten erfolgreiche Frauen auf, was Frauen auf dem Kasten haben und was sie für alle Frauen wollen und fordern:  Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Nationalrätin Maya Graf, Co-Präsidentin von «alliance F», Martha Beéry und Sabine August von der «IG Frau und Museum», Simone Curau-Aepli, Präsidentin der «CVP Frauen Thurgau», Karin Infanger, Präsidentin «FrauenBauen Ostschweiz», Vivien Büchler, Co-Präsidentin «Universa Uni St. Gallen», Ina Praetorius, Ethikerin und Expertin Care Arbeit, Anette Stade, Projektleiterin «GrossmütterRevolution», Erika Bigler, Präsidentin «ostschweizerinnen.ch» und Tagesmoderatorin Andrea Gisler, Vorstandsmitglied «alliance F», die lenkte und die Fäden gekonnt in der Hand hielt, während sie von einem zum anderen Thema überleitete.

Rund 10 Prozent vertreten die Hälfte
Die Kandidatinnen für die eidgenössischen Wahlen 2015 präsentierten sich. Nein, es waren nicht die Kandidatinnen, sondern die St. Gallerinnen. Offenbar haben diese begriffen, dass eine Plattform wie die FrauenNetzwerkTagung für Kandidatinnen für ein nationales Amt ein Muss ist. Klar, einige Kandidatinnen – auch jene aus dem Thurgau – mussten sich entschuldigen lassen. Andere aber haben es echt noch nicht registriert, wie wichtig das Netzwerken ist – und in beiden Appenzell gibt es übrigens gar keine Kandidatinnen. Frauennetzwerke haben längst das «Kafichränzli-Image» überschritten. Sie werden wahrgenommen – und mancher Mann wundert sich, was die Frauen in geschlossener Gesellschaft treiben mögen. Männer sind es nicht gewohnt, ausgeschlossen zu werden, während die Frauen täglich damit leben, geduldet oder mitgemeint zu sein. Es gibt 200 Nationalratssitze, also müssten 100 von Frauen besetzt sein. Doch dem ist längst nicht so. Es sind 20 Nationalrätinnen, die die Hälfte der Schweizer Bürgerinnen und Bürger im Nationalrat vertreten. Seit einiger Zeit ist eine Stagnierung zu registrieren. In sechs Kantonen ist gar keine Frau mehr in der Regierung vertreten.

Frauen sind engagiert und brilliant
Was es mit den Wahlen auf sich hat, diskutierten die Kandidatinnen unter der Moderation von Annette K. Nimzik  von der «Frauenzentrale St. Gallen». Es gilt, sich auf Spitzenkandidatinnen festzulegen, sonst wird letztlich keine gewählt. Neid und Missgunst sind hier falsch. Frauen müssen andere Frauen nachziehen, doch dafür müssen sie erst selbst gewählt werden. Ein anderes Problem ist die Crux, wie gewählt werden soll: Viele Stimmen nützen nicht alleine, sondern die Listenwahl ist im Proporzsystem besonders massgebend. Es kommt darauf an, ob Frauen die ersten Listenplätze besetzen oder erst am Schluss stehen. Bei Mayorzwahlen können Frauen durch doppeltes Aufführen gepuscht werden und Männer werden gestrichen. Der Auftritt ist immens wichtig. Ohne Netz, Soziale Medien und eigene Homepage geht nichts mehr. Wie eine gezielte Vermarktung Früchte bringt, zeigte «Heartworkerin» und Marketingcrack Vera Class den Kandidatinnen während einer Stunde auf lustvolle Weise auf. Keine falsche Scheu, kein Anstehen-und-Warten-im-Hintergrund, kein Warten auf die Entdeckung – und netzwerken, netzwerken, netzwerken bringen den Erfolg. Dafür muss sich eine Frau auch nicht verbiegen. «Authentizität ist das A und O», rät Vera Class, die Frau, die es weiss.

Die FrauenNetzwerkTagung vom 13. Juni 2015 war wieder eine Plattform für brilliante Frauen. Und davon hat es in der Ostschweiz und in der ganzen Schweiz viele. Beschäftigen wir uns während der nächsten Wochen mit den Früchten dieser Tagung, ziehen wir Bilanz und schauen wir vor allem in die Zukunft!

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