Objekte der Begierde
«Accessoires-Objekte der Begierde», nennt sich die neue Ausstellung im Landesmuseum Zürich, die kürzlich eröffnet wurde und bis zum 12.April 2026 zu bewundern ist. Über 200 Objekte aus vier Jahrhunderten, die vom gesellschaftlichen Wandel erzählen mit einem Streifzug durch die Kulturgeschichte «von Kopf bis Fuss».
Zu sehen sind Foulards, Fächer, Taschen, Schuhe und weitere Alltagsbegleiter. Was sagen denn ein Hut, ein Paar Handschuhe oder ein eleganter Foulard über ihre Trägerin aus? Accessoires waren schon früher weit mehr als blosser Zubehör, sondern schmückende Objekte voller Botschaften und Bedeutung. Die Ausstellung im Landesmuseum präsentiert dies alles aus seiner umfangreichen Sammlung. Diese spannt einen Bogen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart und erzählt vom gesellschaftlichen Wandel, Status und kulturellem Ausdruck.
Wer früher nicht arbeitete, hatte die Hände frei für Taschen, Fächer, Schirme oder Spazierstöcke. Viele dieser Dinge hatten Funktionen, die heute in Vergessenheit geraten sind. Beispiel: ein kunstvoll gearbeiteter Stock aus Zürich mit silbernem Rocaillen-Knauf, der für die repräsentative Selbstdarstellung wohlhabender Herren beim Flanieren steht. Besonders eindrucksvoll ist eine Tasche des Schweizer Designers Kevin Germanier, gefertigt aus recycelten Wollresten und Duschvorhangringen, ein Beispiel für die Nachhaltigkeit in der Mode. Thematisiert wird auch eine rosafarbene Herren-Hausmütze aus dem 18. Jahrhundert. Diese Farbe wird heute eher als weiblich empfunden. Doch die von Nemo zum Eurovision Song Contest 2024 getragenen Unisex-Sneakers mit rosa Tüll lösen diese Norm auf.
Kurzfilme des Studiengangs «Major Trends & Identity» der Zürcher Hochschule der Künste untermauern noch die Vielfalt von Accessoires und fragen, wie Accessoires das Körperbild in der Gegenwart prägen. Die Ausstellung bietet einen facettenreichen Einblick in die Rolle von Accessoires in Alltag, Kultur und Politik. Sie regt dazu an über Kleidung als kulturelle Praxis nachzudenken und macht deutlich: Accessoires sind weit mehr als modische Zierde, sie sind kulturelle Zeugnisse, die Geschichten «von Kopf bis Fuss» erzählen.