Pfefferkorn in der Musikszene

Pfefferkorn in der Musikszene

Dass eine junge, preisgekrönte Sängerin mit ausserordentlichem Talent und klassischer Ausbildung nicht unbedingt eine Karriere in der Oper anstreben muss, ist eine überraschende Erkenntnis, die auf dem Weg durch Studien und Konzerterfahrungen gewachsen ist. Doch Isabel Pfefferkorn will sich da nicht einschränken lassen, lieber alle Möglichkeiten und Ausdrucksweisen offen halten.

Im Opernhaus Zürich arbeitete die Mezzosopranistin höchstens als Türsteherin, wenn während des Studiums das Geld knapp wurde. Aber als Solistin in einer Oper sieht sich Isabel Pfefferkorn weniger. Viel wichtiger sind ihr derzeit die intimeren Konzerte, die die Zuhörenden direkt berühren.
Fern von allem markschreiendem Mainstream bietet sie kleine, feine Konzerte in Klassik, Pop und Jazz an. Wer sie hören möchte, muss sich etwas auf die Suche begeben. Doch diese ist in jedem Fall lohnenswert.

Musik pur

„Die Oper wird zunehmend oberflächlicher“, erzählt Pfefferkorn. „Die meisten Menschen gehen dort hin, um sich berieseln zu lassen, aus dem Alltag auszubrechen. Das ist etwas Schönes, aber nicht das Einzige, was ich mit der Musik bewirken möchte. Mein Ziel ist es, zu singen was mir Freude macht. Musik und Lyrik ganz pur zu präsentieren, so wie es meinem Wesen gerecht wird.“ Dabei sei es ihr in erster Linie wichtig, die Musik und nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.
„Das Gemeinschaftsgefühl bei grösseren Produktionen kann natürlich toll sein. Doch ich fühle mich wohler mit wenigen Musikern zusammen in kleineren Räumen, die einen direkten Austausch mit dem Publikum erlauben. Die Nähe zum Publikum spricht viele Ebenen der Wahrnehmung an. Die Menschen werden im Alltag überall mit Musik berieselt, oft auch zwangsbeglückt und nehmen es als selbstverständlich hin. Viele sind deshalb gar nicht mehr bereit dazu, sich so zu öffnen, dass sie sich innerlich berühren und mitziehen zu lassen. Das ist für mich die interessanteste Herausforderung überhaupt!“

Preise

Jung, verboten hübsch mit, schon in jungen Jahren gereiftem Mezzosopran, pflegt die in Vorarlberg geborene Sängerin keinerlei Allüren. Sie pflegt vielmehr ihre Gefühlswelt, die in ihren Darbietungen zum Ausdruck kommt. Genauso erlebe ich die Künstlerin auch, die der Einladung zum Kaffee in meine Wohnung gefolgt ist. In bequeme Kleider gehüllt lassen wir im Interview, ganz ohne vorgefertigte Fragen, unsere Gedanken treiben.
Deshalb sprechen wir gar nicht über all die tollen Errungenschaften und Akademie-Preise:
1991 in eine Künstlerfamilie hineingeboren fing Isabel Pfefferkorn mit Violinunterricht bei ihrem Vater an. Später spielte sie Cello und Klavier. Den ersten Gesangsunterricht erhielt sie privat, dann am Landeskonservatorium Vorarlberg in der Förderklasse für musikalische Hochbegabungen und später am Musikkonservatorium Zürich. Dieses Jahr schloss sie den Master of Arts in Music Performance mit Auszeichnung ab.
Zuletzt sang Pfefferkorn Lieder u.a. im ORF Dornbirn, an der Schubertiade in Schwarzenberg/Österreich sowie in der Tonhalle und der Villa Wesendonck in Zürich. Im Juni 2016 erreichte sie als Jüngste das Finale des Internationalen Schumann-Wettbewerbs in Zwickau.

Startklar

Das sind Voraussetzungen für die ganz grosse Karriere. In dieser Beziehung will die Künstlerin jedoch keine fremden Erwartungen erfüllen, viel mehr ihre eigenen Vorstellungen umsetzen und unabhängig bleiben. Deshalb nimmt sie, wo möglich, Organisation und Grafik ihrer Werbemittel in die eigene Hand. Und auch das kann sich sehen lassen. “Die Portraitfotos machen hauptsächlich ihre Eltern”, erklärt sie. „Die Gestaltung bedeutet immer viel zusätzlichen Aufwand. Aber die Arbeit macht mir Spass und ist für mich ein kreativer Ausdruck auf der visuellen Ebene.“

Gegen den Mainstream hin zur Quelle

Aufgefallen ist mir das Talent bei einem Konzert mit dem Trio Air in Zürich. Hier performte Isabel Pfefferkorn, gemeinsam mit Pianistin Anna Reichert und Cellistin Romana Kaiser, Lieder zum Thema Nacht. Ausgewählte Stücke von Komponisten wie Pauline Viardot-Garcia, Rachmaninov, Brahms, Schumann, Schostakovitch, de Falla und Richard Strauss. Lieder, die nicht dem Mainstream entsprechen. Doch wert sind, gehört zu werden.
Den Luxus der Individualität kann sie sich leisten, vielgebucht und erfolgreich wie sie derzeit ist. „Ich kann nichts spielen und will nichts aufsetzen, was ich nicht bin. Vielleicht lieber andere Facetten herauskehren, die ich in mir trage. Ganz wichtig ist mir, dabei ehrlich zu bleiben und nicht einfach das zu tun, was man von mir erwartet.“

Vom Vertrauen getrieben

In ihren Vorhaben wirkt die Künstlerin dennoch selbstsicher, durchdringt mich mit ihren dunklen Augen. Nein, unsicher scheint sie keineswegs, vielmehr suchend, vor allem nach dem wahren Sein. Tatsächlich ist Isabel Pfefferkorn eine wandelbare Persönlichkeit, die sich schnell in andere Rollen einfühlen kann. Eigentlich wie geschaffen für die Oper.
Diesen Weg lasse sie sich offen. Doch in erster Linie sei sie Hardworkerin und absolute Perfektionistin. „Es fiel mir bisher vieles in den Schoss, ohne dass ich herumrennen und Klinken putzen musste. Ob ich mich auf eine Richtung beschränke und eine bestimmte Zielgruppe ansprechen möchte, weiss ich noch nicht. Beschränkungen empfinde ich meistens als unnatürlich. Schlussendlich muss ich dennoch von der Musik leben. Hier aber habe ich volles Vertrauen, dass mich die Begegnungen an den richtigen Platz treiben.“

Entfaltung

„Gigs im Jazz- oder Popbereich performe ich zusammen mit Klavier, Akkordeon oder kleinen Bands” so die Sängerin. Dabei sei ihr bewusst, dass es sich um eine gegensätzliche Stilrichtungen handelt, die unterschiedliche Stimmtechniken erfordern. „Es ist nicht damit getan, klassischen Sologesang zu studieren und sich dann einzubilden, damit automatisch die Fähigkeit zu haben, auch andere Stilrichtungen singen zu können. Dazu gehört viel mehr, dass eine Sängerin, ein Sänger seine natürliche Stimme findet und nicht andere Klangideale zu imitieren versucht. Weder in der Klassik und noch im Pop. Um sich dafür zu öffnen braucht es Ehrlichkeit, Vertrauen und Mut. Von Vorteil ist die technische Stabilität, die solche Ausflüge erlaubt, und natürlich das Gefühl für die verschiedenen Musikstile.“ Das alles scheint Isabel Pfefferkorn in die Wiege gelegt zu sein. Und was sind die nächsten Projekte?

Voller Konzertkalender

„In den kommenden Monaten werde ich Oratorien und Orchesterkonzerte singen und mehrere Liedrezitale mitgestalten. All das mit tollen Menschen, die mir persönlich und künstlerisch viel bedeuten. Das werden Liedrezitale in verschiedenen Formationen sein – mit Klavier, dazu auch mit Sopran, Tenor oder Bariton, und einmal auch mit Gitarre. Diese Konzerte werden in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Holland und Frankreich stattfinden. Im Sommer singe ich wunderbare Orchesterlieder von Hector Berlioz an einem Festival in Südfrankreich, worauf ich mich besonders freue. Ausserdem werde ich mit der Singakademie Zürich und den Zurich Chamber Singers einige Konzerte und CD-Aufnahmen mitgestalten. Auch eine Lied-Duo-CD, sowie eine mit meinem neuen Vokalquartett sind geplant.“

Die nächsten Konzerte im der Nähe:
04.02.2017 I Rezital mit Hanna Bachmann I Triesen, Liechtenstein
05.02.2017 I Konzert mit Nadine und Dario Canal I Rebstein, Schweiz
16.04.2017 I Rheinberger-Messe (Leitung: William Maxfield) I Pfarrkirche Vaduz, Liechtenstein
29.04.2017 I Rheinberger-Messe (Leitung: William Maxfield), privat I Vaduz, Liechtenstein
30.04.2017 I Cappella Vocale (Leitung: Michael Wersin) I Dom St. Gallen, Schweiz

Infos und weitere Konzertdaten

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