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Pflanzen aus der Zeit, als Heilige noch Göttinnen waren – Mythologische Blumenwanderung

Pflanzen aus der Zeit, als Heilige noch Göttinnen waren – Mythologische Blumenwanderung

Blumen und Frauen gehören zusammen, wie das Amen zum Gebet. Die Pflege der Gärten liegt seit Urbeginn in Frauenhand, so wie auch das Wissen um die Kraft der Kräuter. Blumen verschönern nicht nur unseren gesamten Lebenslauf – von der Wiege bis zum Grab – sie sind seit jeher auch die lieblichsten Wegbegleiterinnen von Göttinnen.

Eine Blume namens Königskerze ist laut Volksglauben das Zepter Mariens, der Königin aller christlichen Heiligen. Die Heilkraft dieser Blume war bereits in vorchristlicher Zeit bekannt, und in vielen deutschsprachigen Gegenden bildet sie immer noch das Zentrum des Kräuterbüschels, das katholische Frauen am Fest Mariä Himmelfahrt zur Weihe in die Kirche tragen. Maria, die Mutter der Natur und all ihrer Wesen, ist an die Stelle vorchristlicher Göttinnen getreten, wie auch ihr höchster Festtag am 15. August höchstwahrscheinlich auf das wichtigste Fest zu Ehren der dreigestaltigen Naturgöttin Diana zurückzuführen ist, das bei den Römern alljährlich zwischen dem 13. und dem 15. August stattfand.

Als das Christentum sich zu etablieren begann, nahm die schrittweise Entheiligung der Natur ihren Anfang. Während viele vorchristliche Religionen/Kulturen das Weiblich-Göttliche in Verbindung mit Natur und Landschaft wahrnahmen und verehrten, legte die neue christliche Lehre nun die Heiligkeit eher als abstrakten Begriff aus, und der Missbrauch des Naturraums als politisches, vorwiegend männliches Machtinstrument schritt immer weiter fort. Vorchristliche Kultplätze wurden kurzerhand mit christlichen Kirchen, Kapellen und Wegkreuzen überbaut, doch die Sagen und Namen dieser Orte lassen deren einstige kultische Bedeutung erahnen, wie z.B. in Tirol: Heiligbaum-Boden, Maria Larch, Hexenbödele, Tanzgasse und weitere. Nicht selten wurden an solchen Plätzen wichtige archäologische Funde getätigt.

Sagen, Mythen und Legenden sind ein wichtiger Schlüssel zu den Glaubensvorstellungen unserer Vorfahren, und sie geben auch Aufschluss über das einstige Wissen um die magischen Kräfte der Natur. Aber so, wie die weisen Frauen im Laufe der Jahrhunderte degradiert wurden und ihr ganzheitliches Wissen abgewertet wurde, gerieten auch das Wissen und der Gebrauch vieler Heilkräuter in Vergessenheit.

Margareta Fuchs, Autorin der beiden Sagenbücher «Von wilden & weisen Frauen» und «Was Blumen erzählen», greift in ihrem Vortrag auf teilweise uralte Mythen und Sagen zurück, in denen Blumen und andere Pflanzen eine wichtige Rolle spielen. Sie berichtet von der früheren magischen Nutzung und Heilkraft bekannter und unbekannter heimischer Blumen – sehr oft sogenannter Frauenkräuter – und erzählt von geheimnisvollen weisen Frauen, denen wir in der Sagenwelt begegnen. Sie lassen die Zeiten erahnen, in denen das Wissen um die Bedeutung des Weiblich-Göttlichen noch allgegenwärtig und eine tiefe Verbundenheit zur Natur und allen ihr innewohnenden Wesen selbstverständlich waren.

«Ich geh am liebsten barfuss, kämme mich nicht gerne und wäre von Beruf am liebsten Pechklauberin geworden.» Margareta Fuchs, Jahrgang 1957 und Mutter zweier Töchter, ist seit mehr als 40 Jahren in der professionellen Sozialarbeit tätig. In all diesen Jahren hat sie unzähligen Menschen in existenziellen Notlagen beim Erzählen ihrer beeindruckenden Lebensgeschichten zugehört. Als Wildefrau erzählt sie selbst mit viel Temperament und Leidenschaft Märchen und Sagen aus aller Welt. Ihre besondere Vorliebe gilt dem Aufspüren von sagenumwobenen, in Vergessenheit geratenen geheimnisvollen Plätzen und dem Wiederbeleben von altem Tiroler Heilwissen. Sie ist Autorin der beiden Sagenbücher «Von wilden & weisen Frauen – 150 geheimnisvolle Frauen-Sagen aus Tirol» (erschienen bei Löwenzahn 2009, gemeinsam mit Veronika Krapf) und «Was Blumen erzählen – Sagen aus der Pflanzenwelt» (erschienen bei Raetia 2012).

Bild: Margareta Fuchs

Auf den 17. August 2019 lädt das Frauenkulturarchiv Graubünden zu einer mythologischen Blumenwanderung mit kleinem Sommerfest nach Mistail ein. Als Referentin konnte die Tiroler Autorin und Erzählerin Margareta Fuchs gewonnen werden. Auf einer kleinen und leichten Wanderung erreicht man vom Bahnhof Tiefencastel aus in 20 Minuten die wunderschön gelegene karolingische Kirche St. Peter Mistail. Anschliessend wird Margareta Fuchs  Geschichten und Wissen rund um Pflanzen, Göttinnen und Heilige erzählen (bei Regenwetter in der Kirche). Ein kleines Zvieri wird ebenfalls serviert.

Treffpunkt: 14.15 Uhr, Bahnhof Tiefencastel. Wanderung nach Mistail und Vortrag
Dauer: ca. 2 Std, Kosten (ohne Anreise): Fr. 35.00 / Fr. 28.00 für Mitglieder. Anmeldung nötig, bis eine Woche vor Durchführung. Anreise: per Bahn, Postauto oder PW. Tipp: gutes Schuhwerk

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