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Ruth Bader Ginsburg – Der Star vom Supreme Court

Ruth Bader Ginsburg – Der Star vom Supreme Court

Ruth Bader Ginsburg ist 85 Jahre alt, und sie gehört immer noch dem Supreme Court an, dem Obersten Gerichtshof der USA. Ein Kinofilm würdigt nun ihre Arbeit und ihr Leben.

Ruth Bader Ginsburg gehört dem Supreme Court an, dem Obersten Gerichtshof der USA. Sie ist 85 Jahre alt und eine feministische Pop-Ikone. «Notorious R.B.G.» wird sie von ihren Fans genannt, ihr Gesicht hinter den riesigen Brillengläsern ist auf T-Shirts abgebildet, auf Tassen und Taschen, in der Late-Night-Serie «Saturday Night Live» wurde ihr vor kurzem ein Sketch gewidmet, im Oktober erschien eine Biografie, an Weihnachten kommt ein Biobic über sie in die Kinos, und auch ein neuer Dokumentarfilm, ist Teil des ungewöhnlichen Hypes um die Richterin.

«Ich bin 84, und alle wollen sich mit mir fotografieren lassen», sagt sie darin einmal.Und man merkt, dass sie die Aufmerksamkeit von vor allem jungen Menschen geniesst. Dabei sind Supreme-Court-Richter sonst in der Öffentlichkeit so unbekannt wie die des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Und das ist sinnvoll. Wer sich der Öffentlichkeit aussetzt, macht sich womöglich beeinflussbar. Aber was, wenn das Private politisch ist, wie diese Huldigung in Form des neuen Dokumentarfilms so eindrucksvoll wie humorvoll zeigt?

Einstige Schulkameradinnen kommen darin zu Wort, Ginsburgs Kinder und Enkel, Kollegen, Freunde und immer wieder sie selbst. Die Filmemacherinnen dürfen sie ins Fitnessstudio begleiten, wo sie trainiert, seit sie zwei Krebserkrankungen überstanden hat. Und diese Szenen befriedigen keinen Voyeurismus, sondern sind nur ein weiterer Beweis für den Willen dieser zerbrechlich wirkenden Frau. Sogar ihr persönlicher Trainer sagt beeindruckt: «Sie ist eine Maschine.»

Ruth Bader Ginsburg wurde 1933 in einem Brooklyner Arbeiterviertel geboren, ihr Vater war Jude aus Odessa, ihre Mutter hatte österreichische Vorfahren. Sie wuchs in einer Zeit auf, in der für Frauen die Position der Hausfrau vorgesehen war, nahm aber nach der Hochzeit mit Martin Ginsburg und 14 Monate nach der Geburt ihrer Tochter ein Jura-Studium in Harvard auf – als eine von neun jungen Frauen unter 500 Männern. Sie war eine Schönheit, das zeigen Fotos aus dieser Zeit. Es sind die 50er Jahre. Der Dekan, der die neun Studentinnen zum Dinner einlädt, tut dies nicht, um sie willkommen zu heissen, sondern um sie zu fragen, ob ihnen bewusst sei, dass jede von ihnen einem Mann den Platz wegnehme.

Sie geht den Weg des Rechts und äussert sich nicht politisch

Ginsburg schliesst ihr Studium als Klassenbeste ab und findet trotzdem keine Arbeit, weil die Kanzleien nur Männer anstellen. Schliesslich darf sie als erste Frau an der Rutgers Universität unterrichten, verdient aber weniger als ein Mann, mit der Begründung, dass sie ja verheiratet sei. In vielen der Fälle, die sie später als Anwältin übernimmt, kämpft sie gegen Ungerechtigkeiten, die ihr selbst widerfahren sind. Die Darstellung dieser Verfahren, visuell umgesetzt mit Fotos, Zeitungsartikeln und auch Interviews mit den Frauen, für die Ginsburg sich einsetzte, sind der stärkste Teil des Films, gegen den die unkritische Darstellung ihrer Trivialisierung, etwa in Form von Fanartikeln oder ähnlich, deutlich abfällt.

Es beginnt 1973 mit dem Fall Frontiero gegen Richardson. Sharron Frontiero, Leutnant bei der Luftwaffe, zog vor den Supreme Court, um ihr Recht auf Wohngeld und Krankenversicherung für ihren Mann einzuklagen, Leistungen, die ihren männlichen Kollegen automatisch gewährt wurden. Ginsburg gewann den Prozess. Bill Clinton nominierte Ginsburg 1993 als Richterin am Supreme Court. Im Interview erzählt er, wie ihm schon nach 15 Minuten im Gespräch mit ihr klar gewesen sei, dass seine Wahl auf sie fallen würde. Auch in dieser Position setzt sich Ginsburg für die Gleichbehandlung der Geschlechter ein. Bekannt etwa ihr Dissens im Fall Lily Ledbetter, die gegen ihren Arbeitgeber Goodyear Tire klagte, der sie jahrelang schlechter bezahlt hatte als ihren Kollegen. Das Gericht entschied, der Fall sei verjährt, doch Ginsburg setzte sich mit ihrem abweichenden Votum mit Hilfe der Politik durch. 2009 setzte der Kongress den «Lily Ledbetter Fair Play Act» in Kraft.

Ruth Bader Ginsburg war nie eine militante Feministin, auch dies zeigt der Film. Sie äussert sich nicht politisch, sondern geht den Weg des Rechts. «Die Position der amerikanischen Frau wäre ohne sie nicht dieselbe», sagt die Feministin Gloria Steinem. Manchen von Ginsburgs Sätzen, möchte man seinen Töchtern ins Poesiealbum schreiben: «Männer und Frauen verfügen über die gleiche Würde und sollten vor dem Gesetz gleich behandelt werden.» Oder, und hier zitiert Ginsburg die frühe Feministin Sarah Moore Grimké: «Ich verlange keine Privilegien für mein Geschlecht. Ich erwarte von unseren Brüdern nur, dass sie den Fuss von unserem Nacken nehmen», schrieb diese 1837, und der Satz hat noch immer Gültigkeit. Dass der Film in den USA so erfolgreich war, sagt auch etwas aus über die Sehnsucht nach anderen Identifikationsfiguren, als sie die Politik dort derzeit anbietet.

RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit. USA 2018. Regie: Betsy West  und Julie Cohen. 98 Min., demnächst in den Schweizer Kinos! 

Streaming hier möglich!

Sehen Sie sich hier den Trailer an!

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