Seelenlandschaften im Landesmuseum Zürich
C.G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz. Der 150. Geburtstag von C.G. Jung, der in Kesswil TG geboren wurde, ist Anlass zur Durchführung der Ausstellung «Seelenlandschaften», die noch bis zum 8. Februar 2026 dauert und unbedingt sehenswert ist.
Das Landesmuseum Zürich präsentiert hiermit erstmals eine umfassende Ausstellung zur Geschichte der Entdeckung der Psyche in der Schweiz. «Die Schweiz war immer wieder Heimat von «Seelensuchern» wie Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Nietzsche oder Carl Gustav Jung. Vom wegweisenden Rorschach-Test über Ludwig Binswangers Daseinsanalyse bis Jungs Analytischer Psychologie. Die Entwicklung der Psychiatrie, Psychologie und Psychoanalyse ist eng mit der Schweiz verbunden und wirkt bis heute nach», schreibt das Landesmuseum.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das legendäre «Rote Buch», das C.G. Jung während einer intensiven Phase der Selbstreflexion verfasste. Von der Ergründung der Seele zeugt auch die Kunst mit visionären Werken von Johann Heinrich Füssli, Emma Kunz, Rudolf Steiner, Meret Oppenheim oder Thomas Hirschhorn.
Emma Kunz
Besonders von Emma Kunz (1892-1963), Heilerin, Forscherin, Visionärin, die in Appenzell Ausserrhoden keine Unbekannte ist, gibt es in Sachen Seelandschaften Wissenswertes zu berichten. Emma Kunz lebte und wirkte von 1951 bis zu ihrem Tode 1963 in Waldstatt. Empfehlenswert ist der Roman «EMMA. Das Leben und Wirken der Emma Kunz», ein bewegender biografischer Roman von Yvon Mutzner und Peter Donatsch, erschienen im Appenzeller Verlag, Verlagshaus Herisau, ISBN 978-3-85992-891-0. Zum Andenken an diese vielseitig begabte Frau wurde in Waldstatt der EMMA KUNZ PFAD eröffnet. An fünf Stationen wird ihr Wirken präsentiert.
An der Theorie C.G. Jung interessiert und geistig orientiert war auch Robert Walser. Er lebte von 1933 bis 1956 in Herisau. Zu seinem Andenken hat der Schriftsteller Peter Morger den ersten Schweizer Schriftsteller Weg, den Robert Walser Pfad errichtet. Doch noch andere Kunstschaffende und Schriftstellende gehören in diesen Bereich, so Adolf Wölfli oder Meret Oppenheim, wie die Zürcher Ausstellung zeigt.
Audienzzimmer
Die Schweizer Künstlerin Heidi Bucher (1926-1993) schuf mit ihrem Audienzzimmer des Dr. Binswanger ein kritisches Statement zur oft leidvollen Psychiatrie-Geschichte. Das grosse Werk über den Köpfen der Besuchenden zeigt den mit Latex abgezogenen Therapieraum aus der Klinik Bellevue in Kreuzlingen.
Seelenlandschaften heute
Am Ende der Ausstellung lädt ein Kubus mit Sitzlandschaft zum Lesen, Hören und Schauen oder einfach zum Innehalten ein. Auf Tablets befinden sich Interviews mit Expertinnen und
Experten aus Psychologie und Psychiatrie der Gegenwart. Sie erklären unter anderem, wie gesellschaftliche Entwicklungen unsere mentale Gesundheit beeinflussen. Ausserdem reflektieren junge Menschen über ihre Lebenssituationen, ihre Ansichten zu Themen wie Stress, Social Media oder Identitäten und wie sie ihren eigenen Weg im Umgang damit finden.
Sternstunde Philosophie zum roten Buch von C.G. Jung (SRF 11.10.2009)
Emma-Kunz-Pfad in Waldstatt (Appenzellerland Tourismus)
Robert Walser Literaturweg (Video Thurgau Kultur, 27.6.2024)
Die Künstlerin, die das Herrenzimmer häutete (SRF 11.4.2022)
Seelenlandschaften: C. G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz | 17.10.2025 – 15.2.2026
Landesmuseum Zürich
Museumsstrasse 2
Tel. 044 / 218 65 64
Text: Elke Baliarda, langjährige Redaktorin
Bilder im Text: Meret Oppenheim, swissinfo / Emma Kunz Institut / Heidi Bucher SRF
Hauptbild: Landesmuseum Zürich (Ausstellung Seelenlandschaften)