Tel 143 – Herzen nähen für Menschen in Not
Die Dargebotene Hand Ostschweiz und vom Fürstentum Liechtenstein laden zu Nähen von Herzen und Gesprächen im Textilmuseum St. Gallen ein.
Die Nummer 143 ist wohl bekannt. Sie wird jedes Jahr Tausende Male genutzt. Es ist die Anlaufstelle für emotionale Erste Hilfe in der Schweiz und für das Fürstentum Liechtenstein. National stehen rund 700 geschulte Mitarbeitende freiwillig zum Zuhören, Beraten und allenfalls Handeln im Einsatz. Rund um die Uhr, niederschwellig und anonym.
Zum Zuhören gehört auch das Gespräch, das Sich-Auseinandersetzen mit einem Gegenüber in Not. Meist werden durch ein Telefonat Krisen bewältigt oder allenfalls ein Weg, wie es weitergehen kann, aufgezeigt. Kinder, erwachsene in Beziehung und Beruf, Senioren mit finanziellen Problemen… Es gibt kein Problem, das nicht im Gespräch eine Linderung findet. Wer nicht reden will, kann sich mittlerweile auch per Chat oder E-Mail mit zuhörenden Menschen per 143 verbinden.
Einsamkeit ist ein grosses gesellschaftliches Problem, auch in der Schweiz. Ich erinnere mich an eine Person, die in einer Institution lebte und täglich mehrmals die Nummer 143 anrief. «Ich bin einfach einsam, habe niemanden und muss reden», pflegte sie zu erklären, während die Betreuenden über sie lachten. Nach kaum einem Monat schlief sie friedlich ein. Sie hatte Krebs, den sie nicht offenlegen wollte. Ihre Schmerzen waren enorm. Doch die Beratungsgespräche hatten ihr jeweils Linderung gebracht. «Da ist jemand am Apparat, der mich hört», pflegte sie zu sagen. Sie werde nie abgewiesen und man nehme sich für sie selbstverständlich Zeit.
Am 3. März wurde der «Welttag des Hörens» international gefeiert. Wer hat davon Notiz genommen? Er konzentriert sich auf die medizinische und technische Komponente, wie Hörgerät und Hörgesundheit. Nicht-hören-Können bedeutet, in der hörenden Gesellschaft, kein Teilnehmer zu sein. Kaum eine andere Einschränkung wie ein Hörproblem, behindert einen Menschen mehr. Es ist auch die grösste Belastungsprobe in einer Beziehung. Am 18. Juli wird der Internationale «Tag des Zuhörens» begangen. Die Schweiz hat zusätzlich den 14. März und ist mit diesem nationalen Angebot sehr privilegiert.
Dieses Jahr werden im Textilmuseum St. Gallen Herzen zum Anlass genäht. Sie werden verschenkt und dürfen behalten werden. Im Zentrum steht aber auch das Gespräch. Mitwirkende erzählen zudem über die Aufgabe der Dargebotenen Hand.