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Ungewohnte Ein- und Ausblicke an der photoSCHWEIZ 19

Ungewohnte Ein- und Ausblicke an der photoSCHWEIZ 19

Noch bis Montag, 14. Januar, sind in der Halle 622 in Zürich-Oerlikon die Fotoarbeiten 2019 zu sehen. Zum Kreise der zahlreichen Herren gesellen sich auch einige Fotografinnen, deren Arbeiten sich allerdings mehr als nur sehen lassen können – nebst ganz unerwarteten und unbekannten Einblicken in menschliches Leben.

Lua Ribeira, mit Bachelor in Media Studies entdeckte ihre Leidenschaft vor nicht einmal einem Jahrzehnt, während des Grafik-Design-Studiums. Sie schloss ihr Studium in Dokumentarfotografie mit Auszeichnung an der University of South Wales in London ab. Inzwischen sind ihre Arbeiten mit zahlreichen Awards gewürdigt worden und ihre Fotoserie «Noises in the Blood» wurde vorletztes Jahr in Buchform publiziert. Das Werk der Spanierin ist von kollaborativen Elementen geprägt und basiert auf umfangreichen Recherchen und immersiven Zugängen. Ribeirea will mit ihren Arbeiten soziale Barrieren überwinden und strukturelle Trennungen in bestimmten Gemeinschaften durchbrechen. Sie stellt damit Moral- und Wertvorstellungen in Frage, mit denen sie aufgewachsen ist.

www.luaribeira.com

Vera Markus erzählt in ihren Arbeiten vom Leben der heute 96-jährigen Inge Ginsberg (siehe Titelbild), vom derer behüteten Kindheit in Wien, dem Untertauchen während der Nazi-Zeit, von der Flucht  in die Schweiz und der Arbeit in der Villa des amerikanischen Geheimdienstes. Inge Ginsberg war auch Liedtexterin für Lys Assia und Vico Torriani, der sie nach Hollywood brachte. Sie lebte später in Tel Aviv, Quito und New York und ist heute noch Rapperin zu Heavy-Metal-Musik. Welch unglaubliches, reiches Leben! Die Fotografin, Verak Markus, wurde in Melbourne geboren und zog mit drei Jahren in die Schweiz. Sie hat Klavier in New York und Berlin studiert, lernte die Fotografie am International Center of Photography ICP und arbeitete als Fotografin in Tel Aviv. Seit 1999 ist sie freischafffend für die Neue Zürcher Zeitung im Einsatz.

www.veramarkus.ch

Diana Krauss Im Jahr 2006 kam Diana Krauss, eine ausgebildete Köchin, in die Schweiz. Neben diversen Engagements kochte sie 2008 im Schweizer Haus an den Olympischen Spielen in Peking und hat in verschiedenen TV-Kochsendungen als Jurorin mitgewirkt. Heute arbeitet die 35-Jährige als freischaffende Foodstylistin. Dabei befasst sie sich auch mit dem Thema Foodwaste. An der photoSCHWEIZ 19 zeigt Diana Krauss eine Arbeit, in der sie die Themen Foodstyling und Foodwaste kombiniert. In den gezeigten Bildern werden Nahrungsmittel inszeniert, die einen hohen Anteil an der weltweiten Lebensmittelverschwendung haben. Zusammen mit dem Zürcher Star-Fotograf Daniel Preprotnik inszeniert Diana Krauss diese Lebensmittel als eindrückliche Food-Couture.

www.dianakrauss.com

Sava Hlavaceks Arbeiten am Filmset von «Der Bestatter» sind ebenfalls an der Ausstellung zu sehen. Während sieben Jahren hat die Fotografin das Geschehen auf und um die Erfolgsserie portraitiert. Entstanden sind dabei Bilder, die etwas anderes zeigen, als das, was man vom TV her kennt. Es sind intime, poetische, witzige und auch skurrile Momente rund um den Dreh. Sava Hlavaceks Fotografien sind als Bildband im SRF-Shop erhältlich.

SRF Shopwww.bildermachen.ch

Fotos, die unter die Haut gehen

Mit der Sonderausstellungreihe «Die Sicht der Anderen» zeigt photoSCHWEIZ 19 einen ganz bewussten Perspektivenwechsel. Das Theater HORA aus Zürich ist das einzige professionelle Theater der Schweiz, dessen Ensemblemitglieder alle eine IV-zertifizierte «geistige Behinderung» haben. Sie haben bereits Co-Produktionen mit namhaften Vertreter/Innen der nationalen und internationalen Tanz-, Theater- und Performanceszene realisiert sowie sehr engagiert eigene Projekte verwirklicht. Die oftmals defizitorientierte Wahrnehmung von Menschen mit einer «geistigen Behinderung» soll durch das Projekt vielmehr einen Blick auf ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten und selbstbewusste Art möglich machen. In Zusammenarbeit mit dem Theater HORA ist für die photoSCHWEIZ 19 eine eigenständig umgesetzte Serie von Bildern entstanden, in der 16 MitgliederInnen des Ensembles während einer Woche ihren Alltag dokumentieren. Entstanden sind ästhetische, intime Momentaufnahmen, die eine Sicht zeigen, die gar nicht so anders ist.

www.hora.ch

Ebenso eindrücklich sind die Fotografien von CAGDAS ERDOGAN & ALEX KÜHNI. Sie fotografieren in Extremsituationen als Reporter ohne Grenzen und für Amnesty International. Der türkische Fotojournalist CAGDAS ERDOGAN zeigt in seinen Bildserien eine Türkei, die vielen unbekannt ist. Er dokumentiert das Leben von Minoritäten im Mittleren Osten, hält mit seiner Kamera Hundekämpfe und Sex-Partys in Istanbuls Untergrund fest. Mit seinen Aufnahmen von Volksaufständen und militärischen Operationen riskiert er ständig ins Visier der Polizei zu geraten. Doch er sieht es als seine Pflicht an, Menschenrechtsverletzungen in der Türkei aufzudecken. Vergangenes Jahr wurde Erdogan festgenommen, weil er ein staatliches Gebäude in Istanbul fotografiert haben soll. Und der Berner ALEX KÜHNI ist einer der wenigen Schweizer Kriegsfotografen. Seit 2011 hält er seine Kamera auf den Libanon, Zentralasien, den Gazastreifen und die Ukraine, um vom Leben und den Geschehnissen jener Orte zu berichten, an die kaum jemand «reist». Bereits zweimal ging er in den Norden Iraks, um über den Krieg gegen den Islamischen Staat zu berichten. Seine Reportagen wurden unter anderem in der Washington Post veröffentlicht. 2018 hat er den Swiss Press Photo Award für seine Bilder im irakischen Mosul erhalten.

www.cagdaserdogan.com /  www.alexkuehni.com

Arthur Honegger wurde als Moderator der Sendung 10vor10 bekannt. Er war nicht nur lange USA-Korrespondent des Schweizer Fernsehens, sondern hat auch den Grossteil seiner TV-Berichte selbst gefilmt. Die Fotografie ist seine Leidenschaft. Im Rahmen der Sonderausstellung «Ach, Amiland!» präsentiert er gemeinsam mit seiner Frau Henna Honegger an der photoSCHWEIZ 19 eine Serie aus dem gleichnamigen Bildband, die einen ganz persönlichen Blick mit Geschichten und Begegnungen aus dem amerikanischen Alltag zeigt.

«Ach, Amiland!»

Höchst eindrücklich sind die Arbeiten des Fotokünstlers Kurt Caviezel, der seit 18 Jahren täglich über 10’000 Überwachungskameras beobachtet und berührende und nachdenklich stimmende Einblicke in den Alltag demenzkranker Menschen auf Pflegestationen ermöglicht. Die konstante Überwachung geschieht in guter Absicht und wirft dennoch die Frage auf, wie weit sich jemand Aussenstehender in den privaten Alltag der Patientinnen und Patienten einmischen darf. Caviezels Bilder werden unter dem Patronat von ALZ, Alzheimer Schweiz, gezeigt.

www.kurtcaviezel.ch / www.alz.ch

 

Bild: Inge Ginsberg, fotografiert von Vera Markus

Über die photoSCHWEIZ Seit der ersten Ausgabe der photoSCHWEIZ im Jahr 2005 hat sich die Werkschau in den vierzehn Jahren ihres Bestehens zu der mit Abstand grössten und bedeutendsten Werkschau für Fotografie in der Schweiz entwickelt und gilt heute als eine der renommiertesten und grössten Fotoveranstaltungen in Europa. Jeweils über 250 Fotografinnen und Fotografen zeigen jährlich auf rund 7000 Quadratmetern in den Räumlichkeiten des StageOne und der Halle 622 in Zürich-Oerlikon ihre liebsten Bilder des vergangenen Jahres. Die photoSCHWEIZ zählte 2018 rund 27’000 Besucher. Die fünftägige Werkschau wird durch Sonderausstellungen, Off-Spaces und das photoFORUM mit Vorträgen von Fotografie-Ikonen ergänzt. Die Macher der photoSCHWEIZ BLOFELD Entertainment, veranstalten auch erfolgreich die Werkschauen grafikSCHWEIZ und architekturSCHWEIZ, das Public-Science-Festival Salon Public sowie das Songbird Festival in Davos. Mehr Informationen zur photoSCHWEIZ finden Sie unter: www.photo-schweiz.ch

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