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Ein verunsicherter Mann schreibt über die Sexismusdebatte und denkt während des Prozesses um

Ein verunsicherter Mann schreibt über die Sexismusdebatte und denkt während des Prozesses um

«Ich möchte mitreden in der Sexismus-Debatte, aber Feministinnen finden das sexistisch. Was kann ich aus männlicher Perspektive also tun, oder bin ich gar ebenfallsTeil des Problems?», macht sich Tomasz Kurianovicz Gedanken. Und viele Männer beschäftigen sich – gerade in den letzten Wochen von #MeToo – ebenfalls damit.

Ein weisser, 33jähriger Mann, beschäftigt sich also mit dem Sexismus. Er habe dreimal den Text neu begonnen und sich vorher x Mal gefragt, ob er überhaupt über das heikle Thema schreiben dürfe. Seinen Text bezeichnet Tomasz Kurianovicz als Protokoll des Selbstzweifels, eines intellektuellen Zauderns, das am Ende doch eine Art Position sein könnte.

Als Mann könne er kaum nachvollziehen, wie sich eine Frau fühle, wenn sie sexistisch diskriminiert werde. Doch nach der Debatte um Filmproduzent Harvey Weinstein und die damit ausgelöste #MeToo-Welle, fragten sich Mann und auch Frau, wo der Sexismus beginne und wo er ende. «Wann ist Sexismus justiziabel und wann eine Respektlosigkeit? Wann ist er ein unglückliches Kompliment und wann eine verbale Attacke?», fragt sich der junge Mann.

Der Chebli-Fall, in dem die Berliner Staatssekretärin nicht als Amtsinhaberin erkannt wurde, weil sie sich nur als Sawsan Chebli ausgab, überraschte einen Moderator, der «nicht mit so einer jungen und auch noch hübschen Frau» in diesem Amt gerechnet hatte. Chebli fühlte sich mit Recht verletzt und diskriminiert und reagierte per Facebook-Kommentar darauf. Der Shitstorm liess nicht lange auf sich warten, denn etliche Männer fanden: «Er hat es doch nur nett gemeint».

Selber habe Kurianovicz zuerst auch gedacht, das sei doch nicht schlimm. Dann aber habe er sich seiner Wurzeln besonnen. Auch er  habe als polnischer Staatsbürger, trotz reiner Kindheit und Ausbildung in Deutschland, immer wieder Rassismus gespürt, wenn er seinen Namen nannte. Und meist seien die Äusserungen ebenfalls als nett gedacht gewesen. Selbst habe er sich aber herabgewürdigt und verletzt gefühlt, nicht als gleichberechtigter Teil einer Gesellschaft. Und trotzdem habe er geschwiegen und darüber hinweggesehen.

Natürlich habe er seinen Professor nicht anprangern können und wollen, wäre sich als Denunziant vorgekommen, hätte ihm nicht erklärt, dass er verletzend war. Wie aber sollte sich eine Gesellschaft ändern, wenn niemand über solche Begebenheiten spricht? Wie sollte man(n) also etwas lernen, wenn Frauen nicht darüber sprechen? Und dasselbe gilt ebenfalls für die männliche Seite, denn häufig werden auch Männer sexistisch angegangen. #metoomen zeigt dies klar.

Der #MeToo-Bericht einer Bekannten habe ihn schliesslich schockiert, als diese beschrieb, wie sie im Zahnarztstuhl unsittlich berührt worden war. «Während einer Zahnbehandlung presste der behandelnde Arzt seinen Schritt gegen meinen  Oberarm, so dass ich seinen Penis spürte», beschrieb die Frau. Der Arzt habe also die Hilflosigkeit der Patientin und seine Machtposition ausgenutzt. Die Bekannte beschrieb, sie erlebe oft ähnliche Formen von Sexismus im Alltag und forderte die männlichen Leser in ihrem Post auf, sie anzurufen und sich erklären zu lassen, wie Männer ihr Verhalten ändern könnten, damit repressive Formen männlicher Dominanz ein Ende fänden. Tomasz Kurianovicz rief sie an, bevor er seinen Artikel nach drittem Anlauf beendete.

Bild: deadline.com

Und was lernen wir daraus?

Männer (und Frauen, im Falle von belästigten Männern) sind sich ihrer sexistischen, oder in einer anderen Form belästigenden oder verletzenden, Handlungen oft nicht bewusst. Sprechen wir sie an! Erklären wir, wie ihr Handeln bei uns ankommt und was es mit uns macht! Wenn Debatten wie  #MeToo oder #metoomen wirklich einen Sinn haben und die Gesellschaft verändern sollen, dann müssen wir die Stimme erheben und uns wehren.

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