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Den Duft des Frühlings wirken lassen

Den Duft des Frühlings wirken lassen

Wussten Sie, dass das Riechen von Düften für das Gehirn eine grössere Herausforderung bedeutet als das Kreuzworträtseln? Es senden dabei nämlich 350 Riechrezeptoren permanent elektrische Signale aus, die abgespeichert und mit Gefühlen verbunden werden müssen.

Stellen Sie sich vor, sie stünden grad in einer Gärtnerei. Die Osterglocken, Tulpen und Hyazinthen blühen und Hunderte Rhododendron-Büsche und Azaleen betören das Auge. Schliessen Sie die Augen, versuchen Sie zu vergessen, was Sie sahen und strecken Sie nun nur die Nase in den Wind. Selbst ohne das Auge – auf das der Mensch so fixiert ist – sehen sie die Blumenpracht vor sich.

Nach dem Winter, der zwar grau und doch bisher kein richtiger Winter war, freuen wir uns ganz besonders über die erwachende Natur, die satten Farben und die herrlichen Düfte rund um uns. Spricht man vom «Duft des Frühlings», fühlt sich dieser für die meisten Menschen anders an. Dies liege daran, wo und wie man aufgewachsen sei, erklärt dies Duftexperte Hanns Hatt. Er studiert seit Jahren die menschliche Geruchswahrnehmung.

«Der Frühlingsduft ist nichts Festes, sondern ein erlernter Geruch» sagt er. Ein Amerikaner habe ganz andere Vorstellungen vom typischen Frühlingsduft als ein Asiate. Die Mischung sei zudem komplex. «Im Frühling besteht die Luft aus ganz anderen Molekülen. Die noch feuchte Erde riecht anders, die ersten Sonnenstrahlen, die den Boden erwärmen, die erwachende Natur», so der Zellphysiologe.

Mit jedem Atemzug gelangen Millionen von Duftmolekülen in unser Riechorgan. Die 350 Geruchsrezeptoren senden ständig elektrische Signale an das Gehirn – jede einzelne Sekunde, Tag und Nacht, pausenlos. Dieser permanente Informationsfluss hält das Gehirn fit. Und gerade darum ist das Riechen herausfordernder für das Gehirn als zum Beispiel Kreuzworträtsel-Lösen.

Das Gehirn analysiert jeden Geruch und speichert ihn ab. Es verbindet die Informationen mit passenden Bildern und Emotionen. Rufen wir den Duft wieder auf, wird dadurch ebenfalls eine Stimmung erzeugt. Und weil die meisten Menschen den Frühling positiv empfinden, riecht der Duft des Frühlings auch gut.

Die Allergiker haben wahrscheinlich etwas Mühe mit dem Frühlingsduft, denn die Einstellung dazu hängt von Erfahrungen ab. Wer Heuschnupfen oder Asthma hat, der verbindet den Frühling wohl mit geröteten Augen und Niesanfällen – und mit einer ganz persönlichen Leidenszeit. Professor Hatt sagt, solche Menschen riechen den «Duft des Frühlings» darum nicht.

Hingegen geht die Zahl der Morgenmuffel – Studien zufolge – im Frühling stark zurück – und dies trotz Frühjahrsmüdigkeit. Es liegt an der guten Laune, an der Freude des Aufwachens der Natur und ist mit positiven Hoffnungen verbunden. Das meiste verdankt der Mensch seiner Nase, deren Riechschleimhaut beidseitig so gross wie ein Frankenstück ist. Hier nämlich sitzt das gesamte Geruchspotenzial mit rund 20 Millionen Sinneszellen, deren einzige Aufgabe ist, Duftmoleküle wahrzunehmen.

Die meisten wüssten nicht, wie viel des Wohlbefindens von der Nase abhängt, so Professor Hatt. Wer ein frisch nach Blumen duftendes Zimmer betritt, fühlt sich in der Regel wohl und heimisch. Riecht es aber schon im Korridor nach Zahnarzt oder Medizin, überkommt den Gast ein beklemmendes Gefühl.

Die bekannte gehörlose Schriftstellerin, Helen Keller aus den USA, die im zweiten Lebensjahr auch erblindete, lernte übers Riechen, Schmecken, Tasten die Welt zu verstehen. «Der Geruchssinn ist ein mächtiger Zauberer, der uns über Tausende von Kilometern und über alle Lebensjahre hinwegzutragen vermag», schrieb sie, nachdem sie das Fingeralphabet und dann das Blockschrift-Schreiben erlernt hatte.

Öffnen wir all unsere Sinne und besonders den Geruchssinn in dieser Krisenzeit!
  • Öffnen wir Fenster und lassen wir frische Luft in den Raum.
  • Misten wir aus und schaffen wir neuen Platz.
  • Peppen wir den Balkon auf und stellen wir auf Frühling um. Es gibt Dutzende von Take-Away-Gärtnereien und Bauernhof-Läden in der Region.
  • Malen und basteln wir mit den Kindern, denn sie brauchen uns Erwachsene jetzt mehr denn je. Es muss hart sein, Ferien permanent in der Wohnung zu verbringen und keine Freunde, kein Grosi, keine Schulkameraden zu sehen.
  • Lassen wir Frühlingsimpressionen auf uns wirken, während wir zuhause sind.
  • Und stimmen wir uns voller Freude auf das kommende Osterfest ein.
  • Lesen Sie wieder einmal «Das Parfüm», ein Buch das den Geruchssinn wie kein anderes anregt und die Lesemuffel sehen sich halt den Film an.

Denn eines ist sicher: Irgendwann haben wir auch die Coronakrise gemeistert und die Normalität stellt sich wieder ein! Freuen wir uns darauf, erstarken wir daran und seien wir in der Zukunft dankbarer darüber, wie wunderbar und sicher unser Leben in der Schweiz doch ist.

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