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Die Prognosen stehen eher schlecht – “Frauenwahlen” und was sie trotzdem bringen

Die Prognosen stehen eher schlecht – “Frauenwahlen” und was sie trotzdem bringen

Glaubt man den Prognosen, wird es wiederum einen Rechtsrutsch geben. Dies bedeutete zudem, dass die Frauen schlechtere Wahlchancen hätten. Es sind nämlich immer noch die Linken und Grünen, die besonders viele Frauenkandidaturen haben. Ganz schlechten Prognosen – aus prominenten Institutionen zufolge – müsste es nach den Wahlen gar noch weniger Frauen in den Eidgenössischen Räten haben, als jetzt schon. Es wäre ein Rückschlag, an dem wir lange noch zu knabbern hätten, und der Wiederaufbau müsste beginnen. Ich befürchte leider, dass die Prognosen richtig sind.

Soviel ist mal ziemlich gewiss: Die ganz jungen und die Ü70-Kandidierenden werden kaum Chancen haben, gewählt zu werden, auch wenn gerade diese Alterskategorien sich im Wahlkampf besonders anstrengen. Klar ist auch, dass elf der zwölf Nationalrätinnen und Nationalräte aus dem Kanton St. Gallen bleiben möchten. Ihnen werden wohl auch die Türen am ehesten offen stehen. In St. Gallen sind es die (pardon) “älteren” Herren, die eine gute Bekanntheit geniessen und ein stolzes Wählerpotenzial hinter sich wissen können. Den einzigen Rücktrittssitz aus der CVP – ein Frauenrücktritt (Lucrezia Meier-Schatz) – wird wohl Felix Bischofberger beerben können. Er ist, mit Tätigkeiten in Verbänden und Institutionen und als Kantonsratspräsident, über die Grenzen hinaus bekannt. Bestehen muss er eigentlich nur vor einer männlichen Konkurrenz: Gemeindepräsident und Ständeratskandidat Thomas Ammann und OLMA-Direktor Nicolo Paganini. Sollte Ammann Ständerat werden, wäre die Wahl für Bischofberger wahrscheinlich klar. Prognosen zufolge soll die GLP ja ihren Sitz verlieren – und zwar an eine Mitte- oder Rechtspartei. Die Frage stellt sich damit, ob Yvonne Gilli (Grüne) und Margrit Kessler (GLP), trotz schlechter Karten für ihre Parteien, auf treue Stimmende zählen können.

Aus Frauensicht ist meines Erachtens immerhin die Wahl von Ständerätin Karin Keller-Sutter gewiss. Ihr Name ist fast schon Programm. Sie ist blitzgescheit, konsensfähig, verfügt über einen sehr grossen Leistungsausweis und ist auch eine gute und hartnäckige Vertreterin des Kantons und für die ganze Ostschweiz. Zusammen mit der ebenfalls wahrscheinlichen Wahl von Paul Rechsteiner, wäre der Kanton St. Gallen wohl weiterhin in guten Händen. Ich habe schon vor vier Jahren festgestellt, dass Paul Rechsteiner ein sehr viel besserer Frauenvertreter ist, als es manche Frau je sein könnte. Er ist es, der Frauenanliegen mit Nachdruck vertritt und gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordert. Es ist auch kein Geheimnis, dass sich Rechsteiner und Keller-Sutter bestens verstehen und als Ständerätin und Ständerat harmonieren und meist am gleichen Strick ziehen, besonders aber, wenn es um die Ostschweiz geht.

Die Regionen Rorschach/St. Gallen und Wil dürften damit sicher vertreten sein. Im Kreis Rorschach kandidiert nur die Goldacher Gemeinderätin und Gewerblerin Kathrin Metzler, die Wahlchancen hätte. Sie ist allerdings noch nicht sehr bekannt, dürfte aber immerhin Punkte für die Grossratswahlen sammeln können. Sorry, aber mir fällt auf, wie anständig und zurückhaltend die Frauen leider Wahlkampf betreiben. Frauen sind meist unerschöpfliche Schafferinnen, verstehen aber ihre Leistungen einfach nicht richtig zu “verkaufen” und wirken oft im Hintergrund. Im Wahlkampf wird frau nicht einfach entdeckt! Martha Storcheneger (CVP) zum Beispiel, Imelda Stadler (FDP), und… sind Frauen, die ich mir im Nationalrat wünschen würde, doch wage ich nur zu träumen, sie könnten auch gewählt werden, zusätzlich gewählt werden zu Claudia Friedl und Barbara Gysi, welche die Wiederwahl schaffen sollten. Die SP hat ein treues Stimmenpotenzial hinter sich.

Im Thurgau steht Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP) als Nationalrätin alleine auf weiter Flur, im Kreise einiger doch schon in die Jahre gekommenen Männer, die wiederum zur Wahl antreten. Im Falle von Ständerätin Brigitte Häberli-Koller (CVP), verhält es sich gleich. Dank ihres Leistungsausweises, wird den beiden Politikerinnen die Wiederwahl sicher gelingen. Genauso wie den Thurgauerinnen, ergeht es Nationalrätin Silva Semadeni im Bündnerland, einer klugen Schafferin, der eine Wiederwahl ebenfalls glücken sollte. Im Ausserrhodischen sind zwei Männer gesetzt, der eine ist schon als Nationalrat, der andere dürfte als Ständert gewählt werden. Die Appenzeller sind sehr treue Wähler und schätzen die Kontinuität. Seien wir uns bewusst, dass trotz allem, die Kandidierenden, auch wenn sie nicht gewählt werden, ihren Parteien zusätzliche Stimmen bringen. Die Kandidatur ist also dennoch nicht für die Katze. Sie steigern auch den Wähleranteil in Gemeinden für spätere Wahlen, machen sich für später bekannt und können mehr Mandate in Gemeindebehörden bringen.

Doch zurück zu den Frauen. Es ist erwiesen, dass sie sehr sorgfältig rechechieren und argumentieren, dass sie differenziert und meist menschlicher handeln, als die Männer. Doch wenn wir das wissen, muss das bei der durchschnittlichen Wählerschaft nicht auch so sein. Die Frauen haben in den letzten Jahren nicht immer so politisiert, wie es sich die Masse wünschte. Die Bundesrätinnen stehen unter Dauerbeschuss, besonders die Ostschweizerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), der man(n) ihren Sitz seit Jahren absprechen möchte. Sie hat schliesslich den König der SVP vom Thron gestürzt – und das wird ihr niemals verziehen. “Frauenwahlen – Mehr Frauen ins Parlament!” Ich wage zu behaupten, dass die Aktion, wenn überhaupt, dann erst bei den Kantonratswahlen und auf Gemeindebene, greifen wird. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass die Frauen auf ganzer Ebene verlieren. Wir stehen sehr kurz vor den Wahlen. Wer noch nicht gewählt hat, der soll dies doch nachholen. Jetzt haben wir es noch in der Hand. Jetzt können wir den Weg noch ebnen – zumindest um Schlimmeres zu verhindern. Ich weigere mich, trotz all meiner Prognosen, die Hoffnung zu verlieren und würde mich freuen, so richtig daneben zu liegen. Mit dieser Schmach könnte ich gut leben. Wie lange ich brauchte, um wieder aufzustehen und weiterzukämpfen, wenn alles nach Prognose herauskommt, weiss ich jetzt leider noch nicht.

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