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Ein Erlebnis: Nabucco, die Oper im Steinbruch

Ein Erlebnis: Nabucco, die Oper im Steinbruch

Spektakulär ist die Naturkulisse des St. Margarethener Steinbruchs. Da lässt sich Nabucco, die populäre Oper von Giuseppe Verdi, perfekt in Szene setzen. Wen wundert’s, dass diese nun schon zum vierten Mal aufgeführt wird und 1996 den Auftakt zur Erfolgsgeschichte des Burgenländischen Openair-Festivals bildete. Die größte Freiluftbühne findet sich aber am Bodensee, bei den Bregenzer Festspielen. Ein seitenblicklicher Vergleich sei erlaubt.

 

Opernspektakel für die Massen bieten beide, dort für 7.000 Zuschauerinnen, da für 5.000 pro Aufführung. Dass im Steinbruch am Anfang der Intendant Daniel Serafin in Turnschuhen auf die Bühne stürmt, sich beim Publikum wegen der ausverkauften Tribüne bedankt, zudem noch den als Besucher anwesenden Nationalratspräsidenten begrüßt, ist schon etwas befremdlich. Unverzeihlich jedoch bleibt die abrupte Unterbrechung, wenn es nach knapp vierzig Minuten – man hat sich gerade auf Musik und beeindruckende Handlung eingelassen – aus dem Lautsprecher quäkt, dass jetzt eine halbe Stunde Pause sei und Gelegenheit DVDs zu kaufen! In Bregenz wird immer durchgespielt. Und das ist gut so, denn die plötzliche Bewegung der Massen ist weder handelbar, noch bezüglich Kulturgenuss zu verkraften.

Das gebotene, unglaubliche Landschaftsambiente nehmen natürlich beide Festivals als große Chance wahr. Die monumentalen Felsblöcke werden in St. Margarethen als Steinfassaden der angedeuteten Häuser weitergebaut und goldene Palastelemente effektvoll integriert. Das im Kampf unterlegene Volk der Israeliten – erdfarbene Kleider deuten die Naturverbundenheit an – verschanzt sich zu Beginn in den umgebenden Hügeln. Die Babylonier glitzern in gezackten rot-goldenen Gewändern. Vertikale Dynamik bringen die Stege aus rostigem Cortenstahl – etwas irritierend, dass diese Materialisierung dieselbe ist, wie bei den Wegen der Besucherinnen – und sie geben auch die Linie des Blitzes vor, der mit lautem Donner den babylonischen König trifft, im Moment, als er sich selbst hochmütig zum Gott erhebt.

Doch betrachten wir die Geschichte aus Perspektive der eigentlichen Hauptfigur Abigaille. Sie ist nicht die leibliche Tochter von Nabucco, wurde einst Sklaven geraubt und in Ermangelung von Nachkommen als solche aufgezogen. Nabucco sollte später doch noch eine wahre Erbin bekommen. Kein Wunder, wenn Abigaille sich nicht damit abfinden kann, dass plötzlich die Anerkennung des Vaters verwehrt und noch dazu der Geliebte Ismaele ihrer Schwester Fenena verfallen ist. Abigaille kämpft, will die Macht, will Königin sein und handelt verwerflich. Doch gleichzeitig sehnt sie sich inbrünstig danach wieder Frieden und Freude zu empfinden. Am Ende wird auch sie bekehrt (und muss im Steinbruch nicht sterben), ebenso Nabucco, Fenena sowieso, sie konvertierte bereits aus Liebe und wollte Verbündete der Hebräer sein. Alle glauben an Jehova und dem friedlichen Zusammenleben von Babyloniern und Israeliten sollte nichts mehr im Wege stehen.

Auf der extrem weitläufigen Bühne (7.000 m2) ist es nicht immer einfach, die Handlung nachzuvollziehen, so geht das Ende des ersten Aktes, wo Nabucco seine Fenena – die sich freiwillig als Geisel zur Verfügung gestellt hat – zurückbekommt und eigentlich den Tempel der Hebräer zerstört, völlig unter. Es fehlt die feine Klinge, die auf so großen Freiluftbühnen zur Zeichnung der Charaktere unabdingbar ist (und in Bregenz durchgehend beherrscht wird). Auch der Chor wird auf dieser Bühne nur zu Statisten, und das stört irgendwie, die Gesten gehen ins Leere. Wenn allerdings DER Opernhit, die bekannteste Hymne an die Freiheit ertönt – der Gefangenenchor “Va, pensiero, sull’ali dorate” (Flieg, Gedanke, auf goldenen Flügeln) anstimmt, ist das Emotion pur. Sänger und Sängerinnen aller Besetzungen, das Piedra Festivalorchester, der Philharmonia Chor Wien bieten musikalisch höchstes Niveau, die akustisch-technische Übertragung ist beachtlich, doch beim Opern-Festival am westlichen Rand von Österreich noch um einige Stufen ausgefeilter. Jedenfalls: East or West – Opera at its best!

Quelle: kultur-online.net

Oper im Steinbruch
NABUCCO von Giuseppe Verdi
Inszenierung: Francisco Negrin
Musikalische Leitung: Alvise Casellati
Bühne: Thanassis Demiris
Kostüme: Pepe Corzo
Piedra Festivalorchester, Philharmonia Chor Wien

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