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Eine strausssche Fledermaus, wie man sie sich nur wünschen kann

Eine strausssche Fledermaus, wie man sie sich nur wünschen kann

Am Theater St. Gallen geht die Musiktheatersaison weiter, und zwar mit der Johann Strauss Operette «Die Fledermaus». Die kürzlich stattgefundene Premiere, ein Erlebnis. Erfreulicherweise kam niemand auf die Idee das Meisterwerk von Johann Strauss unbedingt zu modernisieren. Das Sinfonieorchester St. Gallen, unter der Leitung von Michael Balke, spielte von Beginn an mit wienerischer Beschwingtheit und zog das Publikum in seinen Bann.

 

Im ersten Akt wird das Netz gesponnen, in dem im zweiten Akt alle zappeln, und im dritten Akt wird es entwirrt. Der erste Akt spielt sich im Hause Eisenstein ab, wo die Verwirrungen ihren Anfang nehmen. Eisenstein hat eine Arreststrafe von fünf Tagen zu verbüssen. Doch bevor er diese antritt, will er sich noch mal so richtig auf dem Fest des Prinzen Orlofsky amüsieren. Auch das Kammermädchen Adele geht heimlich auf das Fest, in einem Kleid ihrer Gnädigen. Kaum sind beide aus dem Hause, erscheint Alfred, ein alter Verehrer der Hausherrin Rosalinde und flirtet heftig mit ihr. Plötzlich tritt der Gefängnisdirektor Frank auf den Plan, um Eisenstein persönlich ins Gefängnis zu bringen, Stattdessen verhaftet er Alfred, den er für Eisenstein hält.

Mit dem Ball-und Maskenfest bei Prinz Orlofsky im zweiten Akt, wo es zu zahlreichen Verwirrspielen kommt, erreicht die Operette ihren Höhepunkt. Unerkannt und doch zum Teil erkannt, treffen Eisenstein, Rosalinde und Adele ein. Die drei müssen voreinander Verstecken spielen. Alle Gäste treten unter falschem Namen auf, Eisenstein als französischer Marquis. Sein Freund Dr. Falke stellt den Gefängnisdirektor als Chevalier Chagrin vor. Adele mimt eine grosse Künstlerin und Rosalinde erscheint maskiert als ungarische Gräfin. Ihr gelingt es ihrem Mann, der intensiv mit ihr flirtet, die Taschenuhr abzuluchsen. Der dritte Akt spielt im Dienstzimmer des Gefängnisdirektors, wo auch Frosch, der Gerichtsdiener zu Werke geht. Diese Rolle, eine Paraderolle par excellence für jeden Komiker, wird von David Maze hervorragend verkörpert. Auch Kristjan Johannesson wird seiner Rolle als Gefängnisdirektor gerecht. Die Zappeligkeit von Ida (Swane Küpper) war gewagt köstlich, was man bei andere Figuren nicht goutiert hätte. Alle Sängerinnen und Sänger überzeugten mit ausgezeichneten Stimmen. Besonders hervorzuheben ist Manuel Günther als Alfred mit seiner gesanglichen Leichtigkeit. Auch Theresa Steinbach als Adele und Ekaterine Bakanova als Rosalinde, Eisensteins Gemahlin, zeigten diese Leichtigkeit, besonders in den mühelos gesungenen Koloraturen

Die Inszenierung ist sehr gelungen und wohl durchdacht, spritzig amüsant, nie albern. Ein grosses Lob an die Regisseurin Guta Rau. Dann zu den Balletteinlagen: Sie werten die ohnehin gelungene Inszenierung noch weiter auf. An jeder Stelle eine wundervolle Leistung, nie aufdringlich. Die Choreografie von Kinsun Chan bringt durch kleine laszive Elemente eine gute zusätzliche Würze mit. Noch eine Ergänzung zur Musik: Lateinamerikanische Rhythmen, an der richtigen Stelle eingebaut, wohldosiert, lassen zeitweise moderne Partystimmung bei den Zuschauern aufkommen. Insgesamt bleibt die Operette dennoch wienerisch. Eine grossartige Idee. Ein dickes Lob an den Arrangeur Michael Balke.

Gesamthaft gesehen präsentiert sich die Aufführung in einem sehr geschmackvollen Bühnenbild (Marlies Pfeiffer) mit angemessenen modernen Elementen aber nicht provokant. Farblich eine Wohltat, das gilt auch für die Kostüme von Claudio Pohle. Die St. Galler Fledermaus, ein vergnüglicher, amüsanter, schöner Operettenabend, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Nächste Vorstellungen, gesamthaft gibt es 15 Vorstellungen

Freitag,    11. November,19.30 Uhr
Sonntag,  13. November, 19.00 Uhr
Sonntag,  27.November, 19.00 Uhr
Mittwoch, 30. November, 19.30 Uhr
Sonntag,  04. Dezember, 17.00 Uhr

Im Dezember gibt es acht Vorstellungen. Zum letzten Mal steht «Die Fledermaus» am Freitag, 20. Januar 2023 um 19.30 Uhr auf dem Programm.

Werfen Sie einen Blick in das Stück!

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