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Erstmals wird eine Frau die Schauspielgeschicke des Theaters St. Gallen leiten

Erstmals wird eine Frau die Schauspielgeschicke des Theaters St. Gallen leiten

Kürzlich wurde die Position Künstlerische Leitung Schauspiel am Theater St. Gallen neu bestellt. Erstmals in der Geschichte des Theaters nimmt eine Frau diese Position ein. Es handelt sich um Barbara-David Brüesch, die ab Spielzeit 2023/2024 diese Sparte leiten wird.

 

Neuland betritt Barbara-David Brüesch am Theater St. Gallen allerdings nicht. Arbeitet sie hier doch schon seit 2016 als freiberufliche Hausregisseurin, wo sie unter anderem Shakespeares «Hamlet», Horvaths «Geschichten aus dem Wiener Wald» oder Ingmar Bergmanns «Szenen einer Ehe» auf die Bühne brachte, ebenso «Die kleine Hexe» von Otfried Preussler.

Ihre 2019 in der St. Galler Lokremise uraufgeführte Inszenierung «Verminte Seelen», über die administrative Versorgung in der Schweiz, wurde zum Heidelberger Stückemarkt und zum Zürcher Theaterspektakel 2020 eingeladen, sowie für die Shortlist des Schweizer Theatertreffens 2020 nominiert.

Barbara-David Brüesch wurde 1975 in Chur geboren. Sie begann ihre Theaterlaubahn mit Regieassistenzen und Produktionsleitungen. Von 1996 bis 2002 studierte sie Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Anschliessend erfüllte sie zahlreiche Engagements in der Schweiz, Deutschland, in Frankreich und Österreich.

Neben ihrer Regietätigkeit war Barbara-David Brüesch Gastdozentin für Regie an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. 2022 schliesst sie ein Studium an der Universität Zürich als Executive Master in Arts Administration ab.

 «ostschweizerinnen» gratulieren Barbara-David Brüesch ganz herzlich und stellen ihr auch gleich ein paar Fragen:

Sie werden die erste Schauspiel-Direktorin am Theater St. Gallen sein. Was bedeutet das für Sie?

In vielen Theatern sind in den Führungs- und Regiepositionen Männer nach wie vor stark vertreten, während Frauen oft die Stellen der Zuarbeiterinnen belegen. Ich bin froh, dass da gerade ein Wandel stattfindet und ich ihn mitprägen kann. Es gibt so viele fähige junge Frauen in der Regie. Für sie ist es wichtig, dass es Frauen mit Vorbildfunktionen gibt, die sie unterstützen. Es kann nicht sein, dass wir 70 Prozent Regisseurinnen ausbilden und sich nachher auf den Bühnen ein ganz anderes Bild zeigt.

Und Ihr Schauspiel-Spielplan. Wie werden Sie ihn ausrichten? Besonders auf Frauen?

Ich würde sagen, besonders auch für Frauen. Unser Spielplan soll der Diversität und Komplexität unserer Gesellschaft gerecht werden. Die Themen und Sichtweisen von Frauen sind unterrepräsentiert. Und das, obwohl bei den Zuschauer:innen die Verteilung ein deutliches Bild zeigt: Es gehen viel mehr Frauen ins Theater als Männer. Genauso wie die anderen unterrepräsentierten Gruppen, sollen sie stärker in den Fokus rücken.

Wo werden Sie vermehrt inszenieren, auf der grossen Bühne oder im Studio?

Ich werde weiterhin auf der grossen Bühne und in der Lok inszenieren. Beide Orte haben ihre Vorteile und ihren besonderen Reiz. In der Lok schätze ich die Intimität. Projekte, wie zum Beispiel «Verminte Seelen» über die administrative Versorgung, passen auch in der Spiel-Ästhetik besser in diese offenen Räume. Andere Stoffe wollen den Theaterzauber, da arbeite ich gerne mit den Möglichkeiten der Grossen Bühne.

Wie kamen Sie dazu, Theaterregisseurin zu werden?

Das war auch bei mir der direkte Weg übers Schultheater. Wir hatten am Gymnasium eine sehr engagierte Theatergruppe mit grossem Freiraum, die das Stadttheater Chur bespielen durfte. Danach habe ich alle möglichen Aufgaben bei professionellen Gruppen übernommen und dann ziemlich direkt mein Regiestudium in Berlin absolviert.

Und das Theater überhaupt, war es schon immer Ihr Ziel?

Ja, das war für mich sehr früh klar. Es ist ein Ort der Fantasie und der Utopie, also ein künstlerischer und politischer Ort. Menschen mit sehr diversen Fähigkeiten und Expertisen arbeiten zusammen an der Frage, wie wir und in welcher Gesellschaft wir zusammenleben wollen. Das ist grossartig und begeistert mich nach wie vor.

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