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Frauen und Männer sind bezüglich der Gesundheit nicht gleich

Frauen und Männer sind bezüglich der Gesundheit nicht gleich

Eine Schweizer Studie zeigt die gesundheitlichen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern auf, die zum Teil auf soziale Faktoren zurückzuführen sind. Werde der Einfluss des Geschlechts besser berücksichtigt, sei das ein Schlüssel zur Verbesserung der Pflegequalität, so die Untersuchung.

 

Frauen haben nach einem Herzinfarkt schlechtere Überlebenschancen als Männer; Männer begehen häufiger Suizid, wenn sie depressiv sind. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass Frauen und Männer mit unterschiedlichen gesundheitlichen Realitäten konfrontiert sein können.

Obschon dies schon vor Jahrzehnten erkannt wurde, hat die Medizin erst vor kurzem damit begonnen, die Bedeutung des Geschlechts zu erforschen, inklusive soziale Verhaltensweisen jenseits der biologischen Unterschiede. Mit der Annahme, dass Ungleichheiten oft auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen sind.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind dabei am besten dokumentiert. Sie galten lange als männliche Pathologien und wurden hauptsächlich bei Männern untersucht. Das hat jedoch auch mit Stereotypen von Seiten der Ärzteschaft zu tun: Frauen werden etwa seltener eingeladen, einen Spezialisten zu konsultieren oder sich einem Belastungstest zu unterziehen.

“Brustschmerzen, die mit einem Herzinfarkt einhergehen, werden bei Frauen anders interpretiert, als hingen sie zum Beispiel mit Angstzuständen zusammen”, erklärt Carole Clair, Professorin und Assistenzärztin am Universitätszentrum für Allgemeinmedizin und Public Health (Unisanté) in Lausanne und Co-Leiterin der Abteilung Medizin und Gender.

Bei Depressionen, die unter Frauen weiter verbreitet sind, wurde ein umgekehrter Gender Bias zum Nachteil der Männer beobachtet. All diese Faktoren können zu einer zu späten Erkennung oder Fehldiagnose führen.

Längere Lebensdauer, geringere Lebensqualität

Carole Clair und Joëlle Schwarz, Doktorin in Epidemiologie, Soziologin und Leiterin der Fachstelle “Medizin und Gender”, haben gemeinsam mit dem Bundesamt für Statistik (BFS) eine Publikation verfasst, die im Dezember veröffentlicht wurde. Ihre Arbeit analysiert die Ergebnisse des aktuellen Swiss Health Survey 2017 (ESS) durch eine Gender-Linse. Sie besagt, dass Frauen in der Schweiz im Durchschnitt vier Jahre länger leben als Männer, dass aber ihre allgemeinen Gesundheitsindikatoren schlechter sind.

Mehr Frauen als Männer leben mit mindestens einer chronischen Krankheit oder einem langfristigen Gesundheitsproblem, berichten von allgemeinem Energiemangel, Schlafstörungen oder psychischen Problemen. Ihre Lebenserwartung liegt bei 71,7 Jahren, im Vergleich zu 70,7 Jahren für Männer.

Text: swissinfo  / Bild: Marketplace DE

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