Freiheit, Hoffnung und Rebellion

Freiheit, Hoffnung und Rebellion

Keine Strasse der Welt ist bekannter als die «Route 66». Sie verbindet acht Bundesstaaten auf rund 4000 Kilometern zwischen Chigaco und San Francisco in den USA. Es sind aber nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die beim Gedanken an die legendäre Route vor dem inneren Auge erscheinen, sondern jene der Freiheit und des Aufbruchs.

 

Die Nachkriegszeit war eine Zeit des Aufbaus, doch auch der Revolten und Rebellion. Langhaarige, Rock and Roller und Studenten krempelten das Establishment um. Man hatte genug von Zerstörung, vom Schrecken des Kriegs, vom autoritären Gehabe der Alten, von Spiessertum und Hierarchien. Das Leben wurde zum Spiel und Experimentierfeld für neue gesellschaftliche Formen und mehr Freiheit. Der Staubsauger und die Waschmaschine erleichterten das Leben. Vielleicht stand gar ein Fernseher in der Stube oder ein Auto vor der Tür. Die Mama blieb zuhause, während der Papa zur Arbeit ging. Und am Wochenende fuhr man schick gekleidet ins Blaue.

60er Jahre Feeling

«Ich hätte gerne in dieser Zeit gelebt», sagte Manuela am Route 66-Festival und ihre Sehnsucht nach einer ruhigeren Zeit und heileren Welt ist durchaus zu verstehen. Zigtausende weitere Gäste lebten am Wochenende in Aarburg denselben Traum. Man fuhr den Oldtimer aus und präsentierte ihn stolz dem Publikum. Es gab Burgers, Softeis und Cola. Man tanzte zu Countrymusik und Rock and Roll. 14 PinUp-Girls bereiteten Nescafé, verteilten Cupcakes, steppten und sangen in Petticoat-Kleidern Schlager aus Marilyn Monroes Zeit. Macy Bloom aus St. Gallen setzte allem mit ihrem Live-Gesang das Krönchen auf. Sie wird in Begleitung Ferien in Las Vegas geniessen.

                

Macy Bloom aus St. Gallen gewann den PinUp Contest verdient.

 

A taste of the Sixties! 

Es war in der Nachkriegszeit nicht ganz alles, so rosig, wie es im Nachhinein scheint. Die Frauen hatten wenige Rechte und waren dem (in der Regel) Ehemann klar unterstellt, nachdem sie während des Krieges das Schiff fast im Alleingang gesteuert hatten. Kein Wunder, machten Sie sich für ihre Zukunft stark, stellten Forderungen, befreiten sich (auch sexuell) und wurden immer lauter. Ihretwegen hat sich bis heute viel getan – doch es reicht noch immer nicht. Viel mehr haben sich die Träume zahlreicher junger Frauen zu wieder mehr Sicherheit, Ruhe und klareren Rollen hin gewandelt. Andere sehnen sich nach der scheinbar heilen Welt der 50er- und 60er-Jahre zurück. Sie haben vergessen, was Frauen leisteten, um ihre Rechte zu sichern, sehen sich gleichgestellt und wachen erst in der Mutterschaft wieder aus ihren Träumen auf und werden sich gewahr, dass es letztlich immer noch meistens  die Frau ist, die mehr Verantwortung für die Familie auf sich nimmt.

Es ist ein schönes Gefühl, sich an scheinbar heile Zeiten zu erinnern und zu feiern. Das dürfen wir auch. Die 50er-, 60er- und 70er-Jahre haben uns kulturell und gesellschaftlich viel Gutes geschenkt. Schon dafür machen Events wie das Route 66-Festival Sinn – besonders auch nach Jahren des Stillstandes und der Pandemie.

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