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Gedanken zur Emanzipation – Es hat sich wenig geändert

Gedanken zur Emanzipation – Es hat sich wenig geändert

Die meisten Mädchen denken doch, sie seien emanzipiert. Sie wehren sich aber nicht, wenn sie mit sexistischen Sprüchen konfrontiert werden und entscheiden sich, bei der Heirat den Namen des Mannes zu tragen, während sie andererseits über sexuelle Belästigungen und Metoo wettern. Feminismus sieht für mich ganz anders aus.

Längst ist es nicht mehr üblich, dass Eltern verheiratet sein müssen. Das war nicht immer so. Es waren wohl meist die schlechten Gesetze, die zukunftsorientierte Frauen daran hinderten, eine Ehe einzugehen. Immerhin unterschrieb die Frau mit der Heiratsurkunde gleich auch, dass beispielsweise ihr Ehemann ab sofort das Oberhaupt der Familie war. Er hätte entschieden, wo die Familie lebt und die Kinder hätten vor noch nicht so langer Zeit automatisch den Namen des Vaters getragen. Der Mann hätte ausserdem auch die Macht gehabt, zu entscheiden, ob seine Frau zu Hause arbeitet oder sie auch auswärts wirkt.

Mit dem neuen Eherecht ist zwar vieles besser geworden, doch sieht man sich um, wird auch heute noch grösstenteils nach dem Prinzip des alten Eherechts gelebt. Okay, die meisten Frauen gehen heute einer Bezahlarbeit nach und tragen damit ihren Teil zum Familieneinkommen bei. Wenn es aber darum geht, wer sich um die Kinder kümmert, dann ist es meistens doch die Frau. Dass es nicht als männlich betrachtet wird, sich ganz um die Nachkommenschaft zu kümmern, hat sich nicht geändert. Nur wenige Männer entscheiden sich deshalb dafür. Rund 87 Prozent der Väter bleiben zu hundert Prozent erwerbstätig, denn Teilzeitarbeit wirkt sich schlecht auf die Karriere aus. Die Frauen entscheiden sich dann halt dafür.

Es stört keinen, wenn eine Frau noch für ein paar Prozent erwerbstätig bleibt. Dass sie für später ein Bein im Erwerbsleben drinnen lassen will, leuchtet ein. Und dass sie zusätzlich Geld für die Familie generiert, wird ihr hoch angerechnet, sofern sie die Kinder nicht allzu oft in eine Krippe steckt. Väter beteiligen sich in der Freizeit an der Kinderbetreuung und ganz moderne reduzieren ihr Pensum auf (meistens) 80 Prozent. Sie sind sich heute sehr wohl bewusst, dass sie viele Entwicklungsschritte ihres Nachwuchses verpassen und schielen fast eifersüchtig auf ihre Frauen.

Männer haben aber auch heute noch das Privileg, den Familiennamen zu bestimmen. Dies ist bei mehr als 70 Prozent der verheirateten Paare so. In 28 Prozent aller Eheschliessungen in der Schweiz behalten Partnerin und Partner ihre Namen und nur 2 Prozent wählen als Familiennamen den Namen der Frau. Wenn also nicht der Name des Mannes so grauenvoll klingt, dass es schon fast eine Zumutung ist, obsiegt er im Falle der Wahl. «Wir wollen alle gleich heissen», oder «Es liegt ihm halt viel an seinem Namen» höre ich als Grund für die Wahl. Und einige wissen auch heute noch nicht, dass sie seit fünf Jahren die freie Qual der Wahl hätten.

Warum ärgern wir Frauen uns über Miniröcke oder bauchfreie Shirts von Frauen so sehr? Warum fühlen wir uns noch immer verpflichtet, dem Partner Bescheid zu geben, wenn es ihm Ausgang später wird, während er uns im besten Fall am nächsten Tag darüber informiert? Warum muss der Mann derjenige sein, der den Heiratsantrag macht? Warum empören wir uns über Begebenheiten wie Metoo und wehren uns doch nicht, wenn Männer im Ausgang sexistische Sprüche klopfen? Gelebter Feminismus beginnt in jedem Fall daheim, in der Schule, bei der Arbeit, bei den Freunden. Dies sind die Orte, wo die Diskussion um Gleichstellung und Emanzipation starten muss. Daneben braucht es natürlich auch Aktionen in der Öffentlichkeit –  unüberhör- und unübersehbare, wenn jemals etwas ändern soll.

Bild und krasses Beispiel: Die Sängerin Ariana Grande wird vor laufender Kamera an der Beerdigung von Aretha Franklin begrabscht. Tausende stören sich an ihrem kurzen Röckchen und nehmen den Pastor in Schutz.

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