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Homeoffice funktioniert, doch nicht für jedes Unternehmen

Homeoffice funktioniert, doch nicht für jedes Unternehmen

Diese Woche traten zahlreiche Lockerungen der Corona-Massnahmen in Kraft: So wurde auch die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung umgewandelt – vorausgesetzt, die Unternehmen testen ihre Mitarbeitenden einmal pro Woche. Die Regel soll erst ohne Vorgaben gelockert werden, wenn alle Personen geimpft sind, die das möchten.

In anderen Ländern ist man schon einen Schritt weiter. In den USA etwa ist das Konzept Homeoffice unter Druck: Die New Yorker Banken rufen ihre Mitarbeiter laut «Spiegel» wieder zurück ins Büro. «Das ist eine Anomalie, die wir so schnell wie möglich korrigieren werden», sagte der Chef der Grossbank Goldman Sachs, Arbeiten zu Hause werde sicher nicht zur neuen Normalität. Einer Umfrage zufolge wollen vor allem Chefs und Berufseinsteiger so schnell wie möglich zurück ins Büro.

Homeoffice schon lange ermöglicht

Wie gehen Schweizer Firmen damit um? Bei Siemens etwa sei Arbeiten im Homeoffice in der Schweiz seit vielen Jahren etabliert, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Vor der Pandemie sei diese Möglichkeit meistens an einem Tag pro Woche genutzt worden, nun seien zwei bis drei Tage mobiles Arbeiten pro Woche als weltweiter Standard definiert worden. Auch die Credit Suisse kommt den Bedürfnissen der Mitarbeitenden mit flexiblen Arbeitsmodellen entgegen, so ein Sprecher. «Das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen wir bereits seit vielen Jahren.»

Viele können nicht

Bei der Diskussion um Homeoffice geht gern vergessen, dass sich für viele die Frage gar nicht stellt. Bei der Post etwa arbeiten rund 54’000 Mitarbeitende in über 100 verschiedenen Berufen, wie das Unternehmen mitteilt – ein Grossteil von ihnen nicht in Büroberufen, sondern in Postfilialen, in Brief- und Paketzentren oder in der Zustellung.

Auch bei der Migros konnten drei Viertel der Mitarbeiter gar nie Homeoffice machen, weil sie in den Filialen oder Verteilzentren arbeiten, Lebensmittel produzieren oder transportieren. Siemens, ABB oder Novartis haben ebenfalls Mitarbeitende, die aufgrund ihrer Tätigkeit nicht im Homeoffice arbeiten können, wobei jeweils spezielle Schutzkonzepte gelten.

Auch Mitarbeitende dieser Unternehmen arbeiten wenn möglich von zu Hause. «Unser derzeitiges Homeoffice-Arbeitsmodell hat sich bewährt und wesentlich dazu beigetragen, das Risiko einer Ansteckung im Büro zu minimieren», heisst es etwa von ABB. Diese Möglichkeit gab es auch schon vor der Pandemie: «So ermöglichen wir den Mitarbeitenden ein flexibles Arbeitsumfeld – dies immer abhängig von den jeweiligen Anforderungen der Teams und der entsprechenden Rolle.»

Grosser Aufwand für Massentests

Mit wöchentlichen Tests könnte man die Leute wieder ins Büro holen, doch viele Unternehmen machen das gar nicht. Die Post etwa testet derzeit nur in Zürich-Mülligen und Frauenfeld. Der Aufwand dafür sei sehr gross, sagt eine Sprecherin. «Deshalb installieren wir solche Massentests ausschliesslich dort, wo sie jenen Mitarbeitenden zugutekommen, die aus betrieblichen Gründen vor Ort arbeiten müssen.» Wer im Homeoffice arbeiten könne, bleibe bis voraussichtlich 30. August dort.

Novartis hat sich für Massentests angemeldet, doch aufgrund der beschränkten Laborkapazitäten hätten sich die Behörden bisher auf Firmen konzentriert, bei denen ein erhöhtes Übertragungsrisiko oder ein erhöhtes Risiko eines Ausbruchs besteht, wozu Novartis nicht gehört. «Bis Novartis am kantonalen Testprogramm in Basel-Stadt teilnehmen kann, bleibt das Homeoffice obligatorisch für alle Mitarbeitenden, die die Möglichkeit dazu haben», teilt das Unternehmen mit.

Homeoffice bleibt ein Bedürfnis

Die Unternehmen überlegen sich auch, wie und wo ihre Mitarbeitenden mittel- und langfristig arbeiten werden. Beim Migros-Genossenschafts-Bund wurde in der Zentrale «mobil-flexibles Arbeiten» schon vor der Pandemie eingeführt, so ein Sprecher. «Das bedeutet, hier wird sich grundsätzlich nicht allzu viel verändern – ausser dass wir fortan die Gewissheit haben, Homeoffice funktioniert in der Tat sehr gut.»

Die Post prüft, wie in welcher Form man in Zukunft zusammenarbeiten will. «Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass Homeoffice bei den meisten Büroberufen der Post funktioniert und auch in Zukunft ein Bedürfnis unserer Mitarbeitenden bleiben wird.» Entscheide dazu seien aber noch keine gefallen.

Siemens versteht unter «mobilem Arbeiten» nicht nur Homeoffice, sondern etwa auch Co-Working-Spaces. Die Mitarbeitenden schätzten die Flexibilität und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sehr. «Wir haben zudem festgestellt, dass sowohl die Produktivität als auch die Effizienz im Homeoffice genauso hoch sind wie bei der Arbeit im Büro.» Der persönliche Kontakt und der Austausch mit den Kolleg*innen fehle jedoch vielen. Darum wollten viele in Zukunft «sowohl im Büro als auch im Homeoffice arbeiten».

Hybrides Arbeiten

Auf hybrides Arbeiten setzt auch Google. Das Unternehmen verweist auf Anfrage von «blue News» auf einen entsprechenden Blogpost von CEO Sundar Pichai. Dazu gehören unter anderem eine flexible Arbeitswoche und mehr Möglichkeiten bei der Wahl des Arbeitsplatzes – weltweit. Pichai rechnet damit, dass die meisten Angestellten drei Tage die Woche im Büro und zwei Tage von zu Haus arbeiten – aber auch, dass mehr Angestellte als zuvor komplett auf Fernarbeit umstellen.

Der Arbeitgeberverband privates Bankengewerbe schreibt in einer Erhebung: «Die vielen positiven Erfahrungen mit dem Homeoffice werden das Ausmass an Arbeit von zu Hause wohl dauerhaft auf ein höheres Niveau heben.» Wichtig ist dabei ein gesundes Mass: «Zu viel Homeoffice führt zu Isolation und zur Entfremdung vom Arbeitgeber», sagt Verbandsdirektor Balz Stückelberger gegenüber SRF. Das Arbeiten im Büro bleibe wichtig, weshalb auch in der Finanzbranche ein neuer, ausgewogener Mix der verschiedenen Arbeitsformen zu erwarten sei.

Quelle: bluewin.ch

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