Je kritischer die amerikanische Frau, desto Trump

Je kritischer die amerikanische Frau, desto Trump

Bald ist es ja soweit: Donald Trump tritt seinen Posten als mächtigster Mann der Welt offiziell an. Warum die USA – und besonders auch die Amerikanerinnen – einen Sexisten zum Präsidenten wählten, ist auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar – oder vielleicht irgendwie doch?

Kennen Sie den Protagonisten in «Straight White Male»? Der erfolgreiche Drehbuchautor ist alkoholabhängig, sexistisch, bezahlt nicht einmal Steuern und benutzt die Frauen, wie und wofür es ihm gerade passt. Er beleidigt jede und jeden, doch ist er, um etwas gegen ihn unternehmen zu können, schlicht zu reich und zu berühmt? Vor ein paar Wochen hat ein lebender «Straight White Male» die amerikanischen Präsidentschaftswahlen gewonnen und tritt seinen «Posten» demnächst offiziell an, nachdem er die Welt schon seit Monaten mit seinen Eskapaden überrascht (mit Sicherheit war Trump niemals eine Mogelpackung).

Ein altes Weltbild wiederherstellen

Die Welt will er wieder ins Lot bringen – und dies nach seinem Geschmack. Die Welt des weissen Mannes. Und gleichzeitig will er der weissen Frau zeigen, wo ihr Platz ist und wo sie hingehört – wieder an den Herd und natürlich ins Bett, so Mann dies von ihr wünscht. Amerika hat den «Trumpf» ausgespielt und «gewonnen». Ob der Sieg aber auch wirklich ein Sieg ist und der «Trumpf» ein Trumpf bleibt und nicht doch zum Furz (eine weitere Benennung für das englische Wort Trump) wird, wird sich erst im Laufe der nächsten Monate und Jahre (sollten kluge Köpfe nicht doch ein Impeachment durchbringen) erweisen.

Vorerst aber «trompetet» der Donald jedenfalls noch laut und verhält sich wie ein trompetender Elefant im Porzellanladen.Trump hält sich klar für das Zentrum der Welt und nimmt sich das Recht heraus, andere Menschen – egal in welcher Stellung diese sind –  schlecht zu behandeln, zu demütigen und zu beleidigen, wie es ihm gerade gefällt. Und seine Wählerschaft jubelt ihm derweilen zu. Noch jubelt sie ihm zu, jedenfalls bis sie sich bewusst werden wird, dass der «Straight White Male» die Weltmacht USA, die er ja wieder zum verdienten Ruhm führen will, vernichten wird.

Auch die Mehrheit der weissen Frauen hat den Geldsack Donald gewählt, wie Auswertungen der Wahlresultate zeigen. 53 Prozent stimmten für diesen Mann, der sie als Huren behandelt und ihnen ungefragt zwischen die Beine greifen will, wenn er Lust hat darauf. «Wäre er nicht mein Vater, würde ich ihn mit Pfefferspray besprühen», sagte Ivanka Trump im Jahr 2006 gegenüber der «Chicago Tribune». Wer sich gegen den amerikanischen Trompeter ausspricht, wer seine Taten kritisiert und seine Wahl bedauert, der wird lächerlich oder mundtot gemacht. Man erinnere  sich an das Bespiel der Schauspielerin Meryl Streep, die der Trompeter noch vor Wochen als eine der Fähigsten sah und Trumps Reaktion auf ihre Ängste.

Klare Rollen auch für die Frauen

Warum nur hat sich die Frauenstimmen eine fähige Kandidatin, wie Hillary Clinton es ist, nicht sichern können? Es liegt daran, dass Frauen sich grundsätzlich nicht für ein gemeinsames Ziel mit anderen Frauen verbünden. Auch sind Sexismus und Frauenhass keine rein männliche Disziplin. Frauen kritisieren eher noch gemeiner: Sie urteilen über Frisur, Ausbildung und Auftreten und missgönnen anderen Frauen die Schönheit, Unabhängigkeit und den Erfolg.

Frauen mit Macht- und Erfolgsanspruch kommen besonders schlecht an – und dies bei beiden Geschlechtern. Eine psychologische Studie der Yale School of Management aus dem Jahr 2010 bekräftigt dies. Dabei waren Frauen und Männer mit gleichem Hintergrund zu beurteilen. Beim Mann spielte es keine Rolle, dass er ehrgeizig war. Teilte man den Probanden aber mit, die fiktive Politikerin sei ehrgeizig, weckte dies Entrüstung, Ärger und Abneigung.

Donald Trumps Wahlkampagne nützte solche Erkenntnisse knallhart aus. Mit Slogans wie «Don’t be a pussy, vote for Trump», oder «Finally someone with balls» und mit Verunglimpfungen über Hillary Clinton wie «Trump that bitch», «Hillary sucks but not like Monica» und «Life’s a bitch: don’t vote for one», fanden Trumps Wahlkämpfer offenbar bei der männlichen und weiblichen Wählerschaft Gehör.

Die Abhängigkeit vom Mann zurück

Im Sommer 2016 versuchten Forscher der Universität of Michigan einen Zusammenhang zwischen der Einstellung gegenüber von Frauen und Feminismus und der Unterstützung für Trump herzustellen. Sie befragten 700 Bürger und fanden heraus: Je kritischer jemand den sozialen und ökonomischen Fortschritt der Frauen beurteilt, desto deutlicher war er pro Trump. Je sexistischer und antifeministischer also, desto Trump.

Diese Faktoren schlugen deutlicher aus, als eine Parteizugehörigkeit, Ideologie, Autoritätsgläubigkeit oder Ethnie und Geschlecht. Trumps Wahlkämpfer bedienten gleichzeitig auch alle, die glauben, die Gesellschaft verweibliche und verweichliche. Immer mehr Frauen glauben dies nicht nur in den Staaten, sondern auf der ganzen Welt – besonders leider auch vermehrt in der Schweiz.

Es geht immer mehr um Rollenbilder und um Identität. Hillary Clinton versprach, Frauen in Machtpositionen zu befördern. Sie steht für das Ende der Herrschaft des «Straight White Male». Doch gerade dieser «Straight White Male» ist heute gefragter denn je, denn immer mehr Frauen sehen sich wieder in der Abhängigkeit des Mannes. Sie wollen Entscheidungen abgeben, ihren Einfluss spielen lassen und doch mitbestimmen, ohne sich aber dafür zu exponieren und ohne Verantwortung tragen zu müssen, für das, was geschieht.

Bild: Der Trump-Tower soll nur der Anfang des neuen Amerikas sein

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