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Von Fischen und Menschen – realitätsnah und hervorragend gespielt

Von Fischen und Menschen – realitätsnah und hervorragend gespielt

Nach «Wilder» und «Platzspitzbaby» ist Sarah Spale nun als alleinerziehende Mutter, die ein Trauma zu verabeiten hat, auf der grossen Leinwand zu sehen. Sie kehrte für den Film «Von Fischen und Menschen» in den Berner Jura zurück.

Mutter Judith (Sarah Spale) lebt mit Tochter Milla (Lia Wagner) und dem Gehilfen Gabriel (Matthias Britschgi) abgeschieden im Berner Jura. Die Arbeit in der Fischzucht ist anstrengend, doch zwischen den Hauptpersonen gibt es dennoch eine gewisse Idylle. Dass Judith Gefühle für ihren Gehilfen hat, behält sie für sich, denn sie lebt alleine für ihre sechsjährige Tochter.

Milla mag Gabriel ebenfalls sehr. Sie will ihn gar heiraten, wenn sie erwachsen ist. Doch die Sechsjährige wird durch einen Unfall aus dem Leben gerissen. Was für andere sichtbar ist, ist es für die leidende Mutter nicht: David, Gabriels Bruder (Julian Koechlin), hat mit dem Tod der Kleinen etwas zu tun. Enttäuscht von der Polizei, die schlicht keine Spur zum Täter finden kann, beginnt Judith selbst zu ermitteln.

Sie will Rache üben an dem oder derjenigen, die für den Tod der Tochter verantwortlich ist/sind. Was besonders eindrücklich ist an diesem Film, ist nicht nur die Geschichte an sich, sondern es sind die Phasen des Trauerns, die Schritt für Schritt aufgezeigt werden. Da ist die Schockstarre nach dem Verlust, dann das Unvermögen, die Trauer zuzulassen, den Tod  des Kindes zu akzeptieren.

Es folgt der Rückzug und die Unantastbarkeit gegenüber des Umfeldes. Schwester Sophie, gespielt von Sarah Hostettler  kann Judith nicht trösten, denn diese will lieber alleine sein. Und sie lässt keinen an sich heran. Doch zum erst unbekannten Täter selbst findet sie Zugang – und muss schliesslich erkennen, wie blind sie ihm gegenüber war.

Für ihren ersten längeren Spielfilm, der an den Solothurner Filmtagen als bester Erstling einen Preis gewann, schöpfte die Drehbuchautorin und Regisseurin Stefanie Klemm aus ihren eigenen Erfahrungen. Der Überfall auf die Tankstelle, der zu Millas Tod führte, stammt aus Klemms eigener Biografie. Sie wurde zum Zufallsopfer einer ähnlichen Tat, als sie selbst zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Sarah Spale spielt die trauernde Mutter sehr lebensecht. Nach drei Staffeln «Wilder» – eine weitere Staffel ist geplant – und dem Publikumsliebling «Platzspitzbaby». Spale hat sich schon fast als modernere, neue «Mutter der Nation» entwickelt. Sie zeigt, was alleinerziehende Mütter an jedem Tag leisten und dass sie mehr oder weniger oft für ihren Nachwuchs an Grenzen gehen.

«Von Fischen und Menschen» ist höchst sehenswert und läuft ab heute, Donnerstag, in den Kinos der Schweiz an. Der bisher regnerische Mai hat den Kinos, nachdem sie endlich die Tore öffnen könnten – einen grossen Andrang beschert. Was gibt es Schöneres, als in eine spannende Welt, die erst noch in der Schweiz handelt, einzutauchen? Ist der Film dazu von hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern gespielt, ist der Kinobesuch ein besonderer Gewinn.

Bild: Cineman (Hier finden Sie auch die Kinodaten!)

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