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Wehret den Anfängen? Ein Zeichen der Vielfalt und Integration oder ein No Go?

Wehret den Anfängen? Ein Zeichen der Vielfalt und Integration oder ein No Go?

Eine Lehrerin mit Kopftuch soll ab Herbst an einer St.Galler Schule unterrichten – Bildungsdirektor Mathias Gabathuler begrüsst das und spricht von «Vielfalt». Damit verkenne er die Signalwirkung solcher Auftritte: Wer unsere christlich geprägte Kultur bewahren will, dürfe die Islamisierung des Schulunterrichts nicht verharmlosen, findet stgallen24-Chefredaktor Stephan Ziegler.

 

Die Debatte um Kopftücher an St.Galler Schulen (erst in Eschenbach, jetzt in der Gallusstadt) wird von manchen Zeitgenossen gerne als «Stimmungsmache» abgetan – zu Unrecht, denn es geht um weit mehr als ein Stück Stoff.  Es geht um die Frage, welche kulturellen Werte wir an unseren Schulen sichtbar leben und vermitteln wollen.

Wir leben in einer christlich geprägten Gesellschaft, die sich über Jahrhunderte durch Aufklärung, individuelle Freiheit und Gleichberechtigung entwickelt hat.

Diese Werte gilt es zu schützen und nicht durch falsch verstandene Toleranz preiszugeben.

Der öffentliche Raum – insbesondere die Volksschule – soll religionsneutral sein, wie es die Verfassung vorsieht. Doch Neutralität bedeutet nicht, dass jede religiöse Symbolik toleriert werden muss.

Das Tragen eines Kreuzes am Hals oder das Aufhängen eines Kruzifixes an einer Schule sind Zeichen unserer gesellschaftlichen Werte – und nicht zu vergleichen mit dem Kopftuchtragen .

Ein Kopftuch ist eben kein neutrales Kleidungsstück, sondern ein religiöses Bekenntnis, das in vielen islamischen Kulturen nicht nur Ausdruck des Glaubens, sondern Symbol eines bestimmten Frauenbilds ist – eines, das unserer Vorstellung von Gleichstellung und individueller Freiheit diametral widerspricht.

Gerade weil Lehrkräfte eine Vorbildfunktion haben, ist es notwendig, dass der Staat hier Grenzen zieht.

Wer hier lebt, geniesst Schutz, Freiheit und Rechte, die in vielen islamisch geprägten Herkunftsländern nicht existieren. Dass manche nun ausgerechnet jene kulturellen Muster, denen sie einst entflohen sind, an unseren Schulen wieder installieren möchten, ist schwer nachvollziehbar.

Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, ob wir diesen schleichenden Rückzug in religiöse Parallelwelten wirklich akzeptieren wollen. Die Antwort kann für mich nur ein klares Nein sein. Wer sich für ein Leben in der Schweiz entscheidet, soll seine Religion privat ausleben dürfen. Aber der öffentliche Raum ist kein Ort für religiöse Selbstdarstellung oder politische Zeichen.

Es geht nicht um Diskriminierung, sondern um Integration.

Und Integration heisst nicht, dass sich die Gesellschaft der Herkunftskultur des Einzelnen anpasst, sondern dass der Einzelne sich mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung identifiziert. Dazu gehört auch die Bereitschaft, religiöse Symbole im öffentlichen Amt – und das ist der Lehrerberuf zweifellos – zurückzustellen.

Wer Gleichberechtigung ernst nimmt, sollte das Kopftuch an Schulen nicht verteidigen, sondern hinterfragen. Und wer unsere christlich-humanistischen Werte bewahren will, sollte sie auch sichtbar leben – im Unterricht, in den Lehrplänen und in der Vorbildfunktion der Lehrer.

Ein Kopftuchverbot an St.Galler Schulen – und zwar für Lehrerinnen und Schülerinnen – ist deshalb keine überzogene Massnahme, sondern ein notwendiges Signal für kulturelle Klarheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Falsch liegt in diesem Zusammenhang m. E. Stadtrat Mathias Gabathuler, wenn er das Kopftuch als Symbol der «Vielfalt» verharmlost und dabei behauptet, im urbanen St.Gallen sei man eben «weiter» als auf dem Land.

Wer meint, religiöse Zeichen wie das islamische Kopftuch seien ein Ausdruck von Fortschritt und Weltoffenheit, verdreht Ursache und Wirkung. Vielfalt entsteht nicht durch das Zurschaustellen religiöser Abgrenzung, sondern durch gemeinsame Werte, gemeinsame Regeln und die Bereitschaft, sich in eine bestehende Kultur zu integrieren – nicht in Konfrontation mit ihr.

Die Stadt macht sich damit in meinen Augen zum politischen Wegbereiter für eine Entwicklung, die langfristig genau jene Grundlagen untergräbt, auf denen unser Bildungssystem fusst: Freiheit, Gleichheit, religiöse Zurückhaltung im öffentlichen Raum.

Wer das Kopftuch bagatellisiert, öffnet die Tür für weitere Forderungen – von Gebetsräumen in Schulhäusern bis zu religiös motivierten Ausnahmeregelungen im Unterricht. Dieser Entwicklung gilt es standhaft entgegenzuwirken.

Was denken Sie? Schreiben Sie an redaktion@stgallen24.ch  (Quelle des Berichtes und des Fotos) Kommentare sind auch in der Kommentarspalte von ostschweizerinnen.ch willkommen, sofern die allgemein gültigen Anstandsregeln beachtet werden.

2 thoughts on “Wehret den Anfängen? Ein Zeichen der Vielfalt und Integration oder ein No Go?

  1. “L’art c’est un jeu sérieux” translates from French as “Art is a serious game.”

    How it reflects Geta Brătescu’s work:

    Playful seriousness: Brătescu often treated art as a creative act that blends strategy, risk, and joy. She used performance, drawing, textiles, and self-portraiture to experiment with ideas, rules, and narratives—like a game with meaningful stakes.

    Autobiographical exploration: The notion of a “game” allowed her to test identities, roles, and myths in a lighthearted, iterative way, implying that serious questions about gender, creativity, and freedom can be explored through imaginative play.

    Process over product: The “game” emphasizes methods, rules, play cycles, and audience participation rather than a single fixed outcome, aligning with her practice of reworking motifs, using repetition, and engaging viewers as co-players in the meaning-making process.

    Subversive humor: The phrase signals that art can challenge norms and conventions with wit, irony, and clever protocols, which is evident in Brătescu’s proposals, performances, and installations that invite reflection without solemnity.

  2. Avatar
    Yusra Diarbakerly Bunni

    Leserkommentar zur Debatte: Vielfalt bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern Prinzipientreue

    Die Debatte rund um das Kopftuch an Schulen wird oft emotional geführt mit der Sorge, religiöse Symbole könnten unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährden. Doch gerade hier lohnt sich eine tiefere Betrachtung.

    Zunächst: Das Kopftuch ist für viele muslimische Frauen kein Symbol der Unterdrückung, sondern Ausdruck einer freiwilligen, spirituellen Entscheidung. Es geht nicht um politische Abgrenzung, sondern um eine persönliche Haltung, getragen von Werten wie Bescheidenheit, Identität und Verantwortung vor Gott. Solche religiös motivierten Entscheidungen finden sich übrigens auch in anderen Glaubensrichtungen.
    Die Vorstellung, dass Neutralität im Klassenzimmer durch das vollständige Ausblenden aller Religionen erreicht wird, folgt einem sehr reduzierten Verständnis von Säkularität. Echte Neutralität bedeutet nicht Uniformität sondern Gleichbehandlung und Raum für verschiedene Ausdrucksformen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, den Glauben sichtbar zu leben solange dies mit pädagogischer Professionalität vereinbar ist.
    Was oft übersehen wird: Vielfalt bedeutet nicht, alles zuzulassen, sondern unterschiedliche Lebensentwürfe und moralische Überzeugungen respektvoll nebeneinander zu ermöglichen. Ein Kreuz, ein Kopftuch oder ein Piercing, sie alle transportieren eine Haltung. Entscheidend ist nicht das Symbol, sondern der Umgang damit. Integration ist keine Einbahnstrasse der Anpassung, sondern ein Prozess der gegenseitigen Anerkennung.
    Gerade in einer Gesellschaft, die sich auf Aufklärung, Freiheit und Gleichheit beruft, sollten wir vorsichtig sein, wenn ausgerechnet Frauen, die sich für einen selbstbestimmten Glaubensausdruck entscheiden, aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden. Freiheit zeigt sich nicht nur im Recht, sich auszuziehen sondern auch im Recht, sich zu bedecken.


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