Wer seine Mädchen und Jungen liebt…

Was später Früchte tragen soll, muss schon im zarten Alter beginnen – und damit spätestens im Kindergarten. Wie ein geschlechtergerechtes Miteinander gelebt werden kann, beschreibt die Autorin Tanja Dräger in ihrem Buch “Gender Mainstreaming im Kindergarten (Dialogisches Lernen)” und eckt damit beim männlichen Geschlecht weitgehend an, wie ein Auszug aus verschiedenen Rezensionen zeigt.

 

Kaum jemand weiss, dass am 23. Juni 1999 ein Bundeskabinettbeschluss verabschiedet wurde, wonach im gesamten EU-Raum Gender Mainstreaming für alle EU-Mitgliedsstaaten als verbindlich erklärt wurde. So gilt im EU-Raum ein strukturelles Leitprinzip für die Politik. Alle gesellschaftlichen Vorhaben sind nach dem Gender Mainstreaming-Prinzip zu prüfen, was für sämtliche Lebenssituationen gelte, “denn eine geschlechtsneutrale Wirklichkeit ist für die heutige Gesellschaft undenkbar”, so die Autorin. In der Gesellschaft scheint der Beschluss noch ganz und gar nicht angekommen oder gar verstanden worden zu sein, wie Umfragen und die Rezensionen  zeigen.

Undemokratischer Radikalfeminismus?

“Gender Mainstreaming muss schon im Kindergarten gelebt werden”,  ist Tanja Dräger überzeugt, die in ihrem Buch einen Überblick über die politischen Strategien “der geschlechtergerechten Pädagogik”, beschreibt. Drägers Buch vermittelt Antworten, wie eine geschlechterneutrale Gleichstellung im Kindergarten direkt und unkompliziert umgesetzt werden könnte. Sie berichtet über die Erfahrungen von Erziehenden und was die Akteurinnen und Akteure konkret tun können, um ein geschlechtsgerechtes Miteinander zu leben.

“Wer erfahren möchte, was feministische Ideologinnen vorhaben, sollte dieses Buch unbedingt lesen”, denn es sei in gewisser Weise sehr aufschlussreich und zeige gut auf, wie auf wenig demokratischem Weg der Radikalfeminismus in den Amtsstuben deutscher Behörden angekommen sei, schreibt Dr. Peter Triller und nennt die Ausführungen der Autorin “pseudowissenschaftlichen Genderismus mit vergleichbarer Eschatologie”. Er hoffe, dass dem Gender Mainstreaming kein Erfolg beschieden sei. “Ein schlimmes Buch”, findet auch der Absender C. Sitter, der offen lässt, ob er weiblich oder männlich ist. Dabei handelt es sich schätzungsweise doch eher um einen ER, der “nicht die völlig verfehlte Botschaft, sondern eher die Art des Textes” meint. Vermutlich solle mit dem Machwerk das Wort “Geschlechtergerechtigkeit” in die Köpfe eingehämmert werden, sinniert Sitter weiter und vermutet, dass nach den Feministinnen  die geschlechtergerechte Geschichte nur erreicht sei, wenn “Jungs mit Fillypferden und Mädchen nicht mit der zu martialischen Polizeiausrüstung, sondern mit der Bauausrüstung spielen”.

Abartiger Sexismus?

Schützenhilfe bekommen die zwei Rezensenten von Amos (mit Sicherheit ebenfalls ein ER), der einen Weltuntergang heraufbeschwört, weil Gender Mainstreaming nun schon im Kindegarten angekommen sei. Menschen würden durch kein biologisches, sondern durch ein soziales Geschlecht definiert, das zu aller Schande im Gender Mainstreaming noch frei wählbar sei. Es gehe doch den Aktivistinnen nur darum, die Kinder schon im Kindergarten “umzukonditionieren, so dass Junge-oder-Mädchen-Sein nur Wahlmöglichkeiten sind”, die sozial vorgegeben seien, aber keinen biologischen Hintergrund mehr hätten. Es sei nicht mehr so, dass die Familie einfach aus Mutter, Vater und Kindern bestehe, und die Feministinnen sähen es diskriminierend, wenn der Prinz die Prinzessin heirate, da der Prinz ja auch einen Prinzen heiraten könnte. Erschreckend findet Amos, dass solche (Mach-)Werke, wie das Buch es sei, vollkommen unreflektiert “in der Erzieher-Ausbildung (!!!) Anwendung finden und bisher noch niemand auf die Idee gekommen sei, einmal die Eltern zu fragen, was diese denn von solchen Strategien hielten und ob sie “mit solch einer Umerziehung ihrer Kinder” einverstanden seien.  Auch Paulus (klar ein ER) kann dieses Buch nicht empfehlen. Er liebt seine Kinder und jeder der seine Mädchen und Jungen ebenfalls liebt, “muss dieses Buch abartig finden”, denn es sei der eigentliche Sexismus. Wie schön, dass Nicole Armbruster (als einzige Frau im Bund der Rezensenten) das Buch als “Muss für alle Kitas” und sehr hilfreich und super verständlich beschreibt. Sie rät aber, für die Erarbeitung einer Konzeption noch weitere Literatur zum Thema Gender Mainstreaming hinzu zu ziehen.

“Männer haben keine Ahnung, wie oft sie ganz selbstverständlich davon profitieren, dass sie Männer sind. Und das macht sie blind für die Benachteiligungen, die Frauen erfahren”

Fakt ist, meiner Meinung nach, nun einmal, dass Mädchen und Knaben oft ungleich behandelt werden. Und der Leitfaden der Ungleichbehandlung zieht sich bis ins Erwachsenenalter fort. Ein Umdenken tut darum Not. Die geschlechterbewusste Pädagogik sollte auf jeden Fall schon im Kindergarten praktiziert und während der Schuljahre fortgesetzt werden, und die alten Muster gehören endgültig verbannt. Tanja Drägers Buch zeigt Beispiele und Lösungsansätze für eine frühkindliche geschlechterbewusste Erziehung auf. Es ist zudem spannend geschrieben. Nur Männer können die geschlechterbewusste Pädagogik als Zeichen des Nicht-Liebens und des Versagens deuten. Nur Männer können ignorieren, dass die Gleichstellung oft erst auf Papier existiert. “Männer haben keine Ahnung, wie oft sie ganz selbstverständlich davon profitieren, dass sie Männer sind. Und das macht sie blind für die Benachteiligungen, die Frauen erfahren”, sagte die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg einmal und traf damit direkt ins Schwarze, wie die Rezensionen zum Buch von Tanja Dräger anschaulich demonstrieren.

Gender Mainstreaming im Kindergarten (Dialogisches Lernen)

Taschenbuch von Tanja Dräger

182 Seiten, Ibidem-Verlag, Juni 2008
ISBN 10-3-89821-869-4

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