
Wo Schrot gemahlen und Senf gespuckt wird
Das Chalira-Team hat vor vier Jahren der alten Stadtmühle neues Leben eingehaucht und stellt dort erfolgreich Spezialitäten her. Am Mahltag vom 21. September sind alle Mühlen in Betrieb zu sehen, selbst die sehr einzigartige Pfeffermühle.
Was beim Betreten der Chalira Gewürzmühle den Gast empfängt, ist schlicht umwerfend, als stünden Curry, Kardamom oder Chili in einen Wettbewerb um den besonderen Duft. Nun wird es klar, warum vor der Führung geraten wurde, kein Parfüm zu tragen. Das hätte das sinnliche Dufterlebnis nämlich nur gestört. Mit viel Liebe wurde die alte Schrotmühle restauriert, die schon über 120 Lenze zählt. Ein altes Handwerk wurde damit neu belebt, denn die Produkte werden vor Ort ganz frisch gemahlen, verarbeitet, verpackt und auch verkauft. Sie sind natürlich in Bio-Qualität. Die Mischungen der Gewürze, Würzpasteten und des Senfes sind nicht minder geheimnisumwoben und werden gehütet, wie ein Schatz, Ähnlich dem Appenzeller Käse und Appenzeller Alpenbitter wird etwa auch der Senf auf spezielle Art hergestellt und gepflegt. Vor der Lagerung hat der Senf nämlich kaum Geschmack.
Violetter Curry als Beginn
Wie sehr sich Gründer Michael Korsoi und sein Team um die Qualität der Spezialitäten bemühen, ist augenfällig. Er war es, der an violettem Curry düftelte, bis er die Lösung fand. Daniela Mosers Augen leuchten während der Führung und sie strahlt, wenn sie die Senfmühle beschreibt und wie der Senf mithilfe der Kaffeemühle noch mehr Feinheit erhält. Man muss sich halt zu helfen wissen und auch kreativ sein. Sie zeigt auf den markant Granitmahlstein aus Tschechien und den geschnitzten Kopf mit weit geöffnetem Mund. «Das ist unser Senfspucker», erzählt sie, er sei am Mahltag vom 21. September, mit allen anderen Mühlen im Betrieb und kann besichtigt werden. Das gäbe es sonst nicht. Und Vorstandsmitglied Pascal Faessli erzählt, dass vor Jahrzehnten noch bis zu 700 Mühlen im Land in Betrieb gewesen seien, heute nur noch ein paar. In der Aarauer Mühle finde man aber nicht nur Tradition, sondern auch nachgebaute Teile, wie eben die Senfmühle oder das Mehlsieb. Hingegen der Hauptteil stamme aus Bözen im Fricktal und wurde den Ortsbürgern von Aarau geschenkt. Die Liebe zum Detail und zum alten Handwerk fällt dem Betrachter auf, denn alles wirkt edel und wie aus einem Guss. Wo während Jahrzehnten nur ein mehr oder weniger unbenutzter Lagerraum war, wird nun produziert, verkauft und in den Räumen auch gefeiert, denn sie können für Festlichkeiten gemietet werden. Übrigens, die Mühle läuft nicht allein über das ausserhalb des Mühlenbaus sichtbare grosse Mühlenrad, wie angenommen werden könnte, sondern per Motor. Für die zwei Mahlsteine mit je 200 Kilogramm Gewicht würde die Wasserkraft des Aarauer Stadtbaches in keinem Fall auseichen. Das Rad könnte höchstens die Senfmühle bewegen.
Erlebte Geschichte
Der Senfkeller war früher ebenerdig und wurde vor vier Jahren zur Senflagerung ausgebaut. Hingegen werden die Produkte längerfristig auf der Empore gelagert. Dort scheint die Welt ebenfalls stillgestanden zu sein, denn auf Schiefertafel werden Bestellungen und weitere Informationen markiert und daneben wird auf dem Tisch die Ware verpackt. Auf Regalen reihen sich bunte Spezialitäten aus dem Sortiment. Verteilt sind im produzierenden Museum ebenfalls Gegenstände zu sehen, die Geschichten erzählen, wie etwa die alte Glocke, die früher der Besucherschaft als Klingel diente.
Hauptbild: Der Besuch der alten Mühle in Aarau ist ein besonderes Erlebnis. Beim Ladenbesuch sind auch die Mühlen, wenn auch nicht immer in Betrieb, zu sehen, wie Mitarbeiterin Daniela Moser (ganz links) verrät.
Bild Mühlenrad (Mühle Aarau)



