Geschlechterkrampf mit Frau Schmitz – ein Ausgehtipp

Geschlechterkrampf mit Frau Schmitz – ein Ausgehtipp

Am Schauspielhaus Zürich wird aktuell ein ganz besonderes Stück aufgeführt: ein Geschlechterkrampf von Lukas Bärfuss. Beim Stück «Frau Schmitz» handelt es sich um eine superklischierte Bürokomödie mit Genderproblematik, die viel zu Lachen gibt, doch durchaus auch als heikel betrachtet werden kann. Spass macht das Stück nur, wenn frau es inhaltlich nicht tierisch ernst nimmt.

Der Witz an Frau Schmitz ist jener, dass sie ist, wer sie will. Für den Kollegen ist sie die nette Büronachbarin, die man mit ellenlangen Monologen belabern darf. Für die Personalverantwortliche ist Frau Schmitz eine Frau, die ganz den Mann steht und ein Vorbild ist. Für den Chef ist sie wiederum eine Manipulationsmasse, die man einsetzen kann, wo und wem es in der Firma gerade passt. Immer ist Frau Schmitz – alias Friederike Wagner und Lambert Hammel – still und willig, mit der Aktentasche in der Hand, mit einem leisen Lächeln im Gesicht. Frau Schmitz ist vor allen Dingen die ideale Projektionsfläche für Wünsche, Begehren, Vor- und Unterstellungen.

Das Stück «Frau Schmitz» wurde kürzlich im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Bärfuss hat es dem Ensemble auf den Leib geschrieben. Regie führt die Theaterintendantin Barbara Frey, eine alte Weggefährtin des Autors. Die Mischung aus der TV-Serie «The Office» und Martin Sutters «Business Class» ist auch eine Parodie des Geschlechterkrampfs in Zeiten der Unisex-WC-Debatte. Frau Schmitz wechselt nämlich immer wieder ihr Geschlecht – erst sozial und dann biologischer Natur.

Eigentlich wurde Frau Schmitz sowieso als Mann geboren, tritt aber als Frau in Frauenkleidung auf. Die Firma schickt sie aber als Mann im Anzug für eine Rettungsaktion nach Pakistan, weil dort eine Frau nicht ernst genommen würde. Nach ihrer Rückkehr wechselt Frau Schmitz vermehrt die Gender-Zugehörigkeit und passt sich dadurch perfekt den Ansprüchen der privaten Partnerin oder Firma an. Problematisch ist nur, dass immer wieder jemand nicht zufriedenzustellen ist.

Alleine wegen der entweder weiblichen oder männlichen Erscheinung wird sie diametral immer wieder anders eingeschätzt. Der/die Zuschauer/in erfährt, was eigentlich schon klar sein sollte: Geschlecht ist auch ein soziales Konstrukt, von Beginn weg mit Vorurteilen behaftet, manchmal positiv, manchmal negativ. Nicht nur die Titelfigur bleibt eine Schablone, sondern alle anderen Figuren auch. Klischierte Bürotypen, die Klischees von sich geben, nerven, wie auch Plattitüden wie: «Man muss offen sein für neue Formen», oder: «Es braucht neue Lösungen in einer sich schnell verändernden Welt».

Zugegeben, «The West Wing» zeigt einen fiktiven Büroalltag einiges subtiler und «The Office» überdreht die Absurditäten gekonnter. Und wer sich für die wechselnden Rollen, die der Kapitalismus dem Menschen aufdrängt, interessiert, der lernt viel mehr aus einem Essay des Soziologen Richard Sennett. Für einen vergnüglichen Theaterabend aber gereicht Lukas Bärfussens Geschlechterkrampf auf jeden Fall. «Frau Schmitz» ist aber gänzlich ungeeignet für jene, die einen wirklich kritischen Beitrag zur Genderproblematik suchen.

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