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Frauen aufbauen für die Wahlen. Die Zeichen der Zeit stehen auf FRAU

Frauen aufbauen für die Wahlen. Die Zeichen der Zeit stehen auf FRAU

Kann ein Mann ein ebenso guter Frauenvertreter sein, wie es eine Frau ist? Im Aargau stellt sich momentan die Frage, denn die SP Kantonalpartei hat anstelle von Nationalrätin Yvonne Feri Nationalrat Cedric Wermuth als Ständeratskandidaten nominiert. Er bezeichnet sich als Feminist und wünscht für seine beiden Töchter die Gleichstellung.

«Frauen leben andere Realitäten, beschäftigen sich mit anderen Themen und finden andere Lösungen», ist  Anna Wanner, Co-Leiterin Inland des Mediums «Schweiz am Wochenende» in ihrem Kommentar überzeugt. Zahlreiche Personen stossen sich daran, dass die SP zwar von Frauenförderung spricht, gleichzeitig aber einen Mann einer ebenso kompetenten Frau vorzieht und nominiert.

Für die Nachfolge der Bundesräte Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann wird ein doppeltes Frauenticket verlangt und gleichzeitig sorgt – zumindest im Kanton Aargau – ein Mann, dafür, dass der Sitz der Ständerätin Pascale Bruderer nicht durch eine Frau neu besetzt werden wird. Die Aargauer SP Frauen waren nach der Nomination schockiert, doch ist für eine Nomination halt nicht alleine das Geschlecht entscheidend. Nun, der Entscheid zugunsten des sehr bekannten Politikers war sehr klar, darüber muss man nicht mehr diskutieren.

Die Linken in Basel Stadt tun sich derzeit ebenfalls schwer, wenn es um die Nachfolge von Ständerätin Anita Fetz geht. Dort stünde mit Regierungsrätin Eva Herzog eine sehr kompetente Frau zur Wahl, die aber durch Nationalrat Beat Jans herausgefordert wird. Im Kanton Basel Landschaft tritt die Grüne Nationalrätin Maya Graf zur Ständeratskandidatur gegen Nationalrat Eric Nussbaumer an. Man wird sehen, ob die Frauenvertretung im Ständerat noch geringer wird.

Alliance F und Operation Libero haben eine Wahlkampagne für mehr Frauen in der Politik lanciert – unter dem Namen «Helvetia ruft» Sie wollen Frauen motivieren, sich politisch zu engagieren und bieten dazu Schulungen an. Hier werden Tricks einer erfolgreichen Kandidatur gelehrt, die finanziell unterstützt werden. Gleichzeitig werden die Parteien aufgefordert, den Frauen chancenreiche Listenplätze zu ermöglichen.

Nach gut 50 Jahren nach Einführung des Frauenstimmrechts sind die Frauen in der Politik immer noch untervertreten. Der Anteil liegt heute bei rund einem Drittel im Nationalrat und bei nur 15 Prozent im Ständerat. Wenn die Hälfte der Bevölkerung so schlecht mitreden kann, ist dies falsch, denn in der Demokratie müsste die Bevölkerung repräsentativ abgebildet sein. Vom inhaltlichen Fehler kann man zudem reden, denn es macht einen Unterschied, ob Frauen einfach mitmachen müssen, oder ob sie mitbestimmen, was um sie herum passiert.

Das Beispiel Lohngleichheit, der Vaterschaftsurlaub, die Vertretung von Frauen in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten sind einige Beispiele dafür. Die Geschäfte werden von Frauen gefordert, jedoch grossenteils von Männern bestimmt. Solange die Männermehrheit darüber entscheidet, ob Frauen Karriere machen können und ob es gescheite Kinderbetreuungsangebote gib, ob Frauen trotz Teilzeitpensen eine private Rente ansparen können, oder ob auch ein Vater nach der Geburt eines Kindes seine Pflichten erfüllen kann. Solange in diesen entscheidenden Fragen keine Lösungen vorliegen, haben sie bei Frauen Priorität.

Seit Jahrzehnten wird über eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutiert. Davon können viele ehemalige Politikerinnen ein Lied singen. Tagesstrukturen setzen sich erst zögerlich durch, Blockzeiten an Schulen hinken ebenfalls. Und mit der ausserfamiliären Kinderbetreuung hapert es besonders ausserhalb der Städte noch massiv. Dass Verbesserungen nur schleichend kommen, hängt direkt mit der Untervertretung der Frauen in politischen Gremien zusammen, denn ein Gesetz kann sehr schnell verabschiedet werden, wenn es dringend nötig ist.

Natürlich wird in der männerdominierten Politik eine neue Priorisierung von vielen Frauenthemen nicht gewünscht. Roger Köppels «Weltwoche» titelt «Frauen regieren die Welt» und findet daran nichts Positives. Der SVP-Nationalrat beschwert sich: «Das Parlament beschäftigt sich mit Lifestyle, mit Lohngleichstellung und Frauenfragen.» Jeder darf Anliegen der Frauen kleinreden oder sogar für falsch halten. Doch soll er nicht meinen, dass es sich um mindere Bedürfnisse oder gar um Geschenke handelt. Im Gegenzug liesse sich auch allzu leicht beklagen, dass tagelang diskutiert wird, ob der Besitz halb automatischer Waffen strenger zu regulieren ist. Oder unter welchen Umständen der Wolf abgeschossen werden darf.

Mehr Frauen im Parlament würden mehr Gleichstellung wagen. Deshalb wären trotzdem nicht plötzlich alle einer Meinung. Das ist schon heute nicht der Fall und ist nicht wünschenswert. Frauen leben aber andere Realitäten, beschäftigen sich mit anderen Themen und finden andere Lösungen. Für das Parlament wäre dies ein Gewinn. Die Bürgerlichen sollten es nicht verpassen, die Schwäche der Linken zu nutzen und eigene Frauen auzufbauen. Denn wer es immer noch nicht gemerkt hat: Die Zeichen der Zeit stehen auf FRAU.

Stellt sich also die Frage, wer im Kanton St. Gallen nachfolgen würde, sollte Ständerätin Karin Keller-Sutter als Bundesrätin kandidieren und gewählt werden. Es müsste eigentlich eine Frau sein, bin ich überzeugt. Vermutlich vertrete ich jetzt eine nicht für alle nachvollziehbare Meinung, wenn ich gleichzeitig erkläre, dass ich froh bin, dass Paul Rechsteiner nochmals als Ständerat kandidiert. Er ist der beste Frauenvertreter überhaupt. Was er dank seines Netzwerkes und seiner Erfahrung alles schafft, das schaffte im Moment vermutlich kaum eine Frau. Im Aargau sehe ich es mit Cédric Wermuth übrigens ähnlich. In den letzten Jahren hat er mich als wahrer Frauenvertreter immer wieder überrascht und überzeugt.

Bild: https://diginights.com

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