• Home
  • /Bildung und Kultur
  • /Mit Bodenhaftung und klarer Stimme – «frauenaargau» rief hunderte Frauen zum Leben als Feministin auf
Mit Bodenhaftung und klarer Stimme – «frauenaargau» rief hunderte Frauen zum Leben als Feministin auf

Mit Bodenhaftung und klarer Stimme – «frauenaargau» rief hunderte Frauen zum Leben als Feministin auf

Einige Probleme bereitete das Zustandekommen der Frauentagung im Grossratsgebäude in Aarau, ein Aufruf wurde aber gehört. Dann sagte die Top-Referentin ab und musste ersetzt werden. Mit der Bloggerin Miriam Suter, der dunkelhäutigen Kulturwissenschaftlerin Jovita Pinto und alt Nationalrätin Ursula Mauch durfte man eine gelungene Tagung erwarten.

Unter dem Titel «Weck die Feministin in dir! Because it’s 2017» konnten die schliesslich zahlreichen Gäste der diesjährigen Frauentagung von «frauenaargau» eigentlich ein stärkendes Feuerwerk und Frauenpower pur erwarten. Doch es kam ganz anders. Die annabelle-Journalistin und Bloggerin Miriam Suter aus dem Fricktal, die als Ersatz für Anne Wizorek gefunden worden war, entpuppte sich als thematisch nicht sattelfest und noch sehr stark suchend. Die Kulturwissenschaftlerin Jovita Pinto sprach besonders ein rein farbiges Publikum an – es war aber nur eine weitere farbige Frau im Saal. Und sie kam zudem vorwiegend auf die zusätzlich diskriminierten Lesben und Transsexuellen in der Schweiz zu sprechen und redete damit am eigentlichen Thema der Frauentagung vorbei. Und alt Nationalrätin Ursula Mauch – ihres Zeichens erste Aargauer Nationalrätin und erste Fraktionspräsidentin der Schweiz überhaupt – durfte sich offensichtlich stets einer höchst privilegierten Position als Frau erfreuen. Ja, man hatte gar das Gefühl, an Letzterer plätscherten die prägendsten Teile der Schweizer Frauengeschichte einfach vorbei. Da half auch ihre Frage: «Gut Ding will Weile haben – Muss das sein?» nichts mehr.

Provozieren, aber nicht peinlich

Peinliche Aufrufe unter Miriam Suters Blog und höchst umstrittene Beispiele, wie jenes um die ehemalige Zuger-Kantonsrätin Jolanda Spiess oder um Gerigate-Berichterstattungen und -Bilder, haben mit dem realen Feminismus leider wenig zu tun. Doch zugegeben, dass Provokationen, wie sie Miriam Suter vertritt, auch wirklich provozieren. Nur die Frage über den Nutzen der Reaktionen darauf bleibt im Raum. «Die Meinung über Feminismus sind so vielfältig, wie die Menschen, mit denen ich mich immer wieder darüber unterhalte», ist sich die Bloggerin doch bewusst. Die Podiumsteilnehmerin Jovita Pinto ist ohne Frage blitzgescheit, doch war ihr Auftreten eine klare Demonstration ihrer Verunsicherung. Die meisten Voten waren für das Publikum nämlich kaum zu verstehen. Zum Aufruf «Weck die Feministin in dir!», erwartet man von einer Referentin eine sichere Stimme und ein gestandenes Auftreten. «Schwarze Feministinnen haben mich gelehrt, dass mächtige Koalitionen nicht trotz, sondern mit unseren Differenzen entstehen», erklärte Pinto. Mächtige Koalitionen zu bilden, geht aber mit Frauen jeder Hautfarbe, verschiedenster Religionen und jeder Herkunft, wenn sie im gleichen Boot sitzen, besser.

Das Thema im Auge behalten

Bestnoten verdient die Moderatorin Katia Röthlin. Ganz Profi, hat sie als Podiumsleiterin wirklich alles nur Mögliche versucht. Dank ihr wurde die Podiumsdiskussion für das Publikum, trotz aller Schwierigkeiten, erst zum Genuss. Und die Co-Präsidentinnen Connie Fauvre und Sandra-Anne Göbelbecker werteten mit ihren Voten und ihrer starken Präsenz die Tagung zusätzlich auf, genauso wie die nachmittäglichen Workshops.. «Weck die Feministin in dir!», bleibt aber ein Thema, das im Alltag im Auge behalten werden muss. Bald schreien es hoffentlich die Frauen mit lauter und klarerer Stimme, mit feministischem Selbstbewusstsein, sicherer Bodenhaftung und fordernder Botschaft in die Welt. Immer mehr junge Stars, wie Miley Cyrus, Beyoncé und Taylor Swift, outen sich als Feministinnen – und das braucht es, um «up to date» zu sein. «Because it’s 2017!», frei nach Aussagen des kanadischen Premierministers Justin Trudeau im Jahr 2015.

Bild cfo: Medienprofi Katia Röthlin (am Mikrofon) wertete das Podiumsgespräch auf, während annabelle-Bloggerin Miriam Suter (v.l.), Kulturwissenschaftlerin Jovita Pinto und alt Nationalrätin Ursula Mauch enttäuschten.

4 thoughts on “Mit Bodenhaftung und klarer Stimme – «frauenaargau» rief hunderte Frauen zum Leben als Feministin auf

  1. Doch eine Frage hätte ich noch, liebe Frau Forrer: Es ist klar, dass sich Feminismus nicht in Initiativen und Aktionen wie “schweizeraufschrei.ch”, initiiert von Franziska Schutzbach und dem Medienpranger “nichtschweigen.ch” von Frau Spiess-Hegglin erschöpft, doch erachte ich solche auch als nötig; -leider! In Bezug auf die Klitoris, so ist deren Betrachtung auch Thema im Film”Die göttliche Ordnung”. Weshalb also nicht einmal bei sich sleber hinschauen und vulvagesteuert durch die Welt gehen? Feminismus hat sich auch immer mit dem Körper beschäftigt und damit, wie auf dem Buckel der weiblichen Körper Politik gemacht wird (Bsp. Burka).

    • Die Frage ist halt immer, wie man etwas einbringt. Ich habe schlicht Mühe damit, wenn man eine Frau Spiess-Hegglin als Opfer definiert, wo es ganz unklar ist, was damals passiert ist. Jedenfalls konnte sie nichts beweisen, nicht einmal durch Blut- oder Haaruntersuchungen – und die hätten eine K.O.-Tropfeneinnahme gezeigt, jedenfalls die Haaranalyse. Bezüglich Vulvasteuerung: Feminismus ist sehr vielfältig und nicht jede Frau fühlt sich durch eine (auf-)schreierische Provokation angesprochen. Provokation ist okay, aber sie darf nicht primitiv sein, denn das dient der Sache nicht. Leider waren die Beispiele von Miriam Suter nach meiner Ansicht nicht besonders gut gewählt. Die Dame selber wirkte auf mich thematisch unsicher, was sicher mit ihrer Jugend zu tun hat. Wir wurden alle nicht als Feministinnen geboren! In drei Monaten wird man dies auch nicht (es wurden Artikel zitiert, in denen die junge Frau vor sehr kurzer Zeit noch über die Feministinnen herzog).

      • Esther Gisler Fischer

        Danke Frau Forrer für diese Ihre Ausführungen! Ich war ja nicht dabei und habe die Beispiele von Frau Suter nicht gehört. Die Gefahr beim momentanen Hype ist wohl, dass Frauen in sich die Feministin entdecken, ohne sich mit ihren Vormüttern, bzw. den verschiedenen Strömungen richtig auseinandergesetzt zu haben.
        Beste Grüsse am Vorabend des Festes der ‘Ruach’ , der Hlg. Geistkraft.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*